Der Schwarze Ritter Kehrt Zurück

Ich betrete den Vorlesungssaal durch den vorderen Eingang und lasse den Blick durch die versammelte Studentenschaft schweifen. Wie so oft komme ich erst ganz knapp vor Vorlesungsbeginn an – sonst meist ganz knapp danach – und der Saal scheint schon voll zu sein. Meist gibt es aber noch einige freie Plätze in den Mitten der Sitzreihen, versperrt durch bloß eine Handvoll Studenten, sesshaft an den Rändern der Reihen. Die ersten beginnen schon, es sich auf dem Boden und den Fensterbänken gemütlich zu machen. Ich lasse meinen Blick also schweifen, denn ich will einen richtigen Sitzplatz. Dabei fällt mir mal wieder auf, wie viele Frauen doch hier eigentlich sind. Philosophie ist schon was anderes als Physik. Gewiss sind keine Supermodels im Raum, aber ein paar hübsche Kommilitoninnen hab ich schon. „Dort!“, schießt es mir knapp durch den Kopf. Mittig in der vierten Reihe von Vorne sind noch einige Plätze frei. Bloß versperrt vom diesem alten Mann, der da immer sitzt, und einem weiteren gleichaltrigen Kommilitonen. Zielstrebig gehe ich zur Fensterseite des Raums und bitte die beiden, mich durchzulassen. Der alte steht auf und der junge rückt sogar gleich durch. Gut! So macht er’s den anderen Nachzüglern weniger schwer und ich tu’s ihm daher gleich. Ich ziehe meinen Mantel aus und lege ihn auf den Platz zu meiner Linken. Meinen Rucksack verstaue ich unterm Sitz, ohne etwas rauszuholen, denn Mitschreiben ist hier nicht notwendig. Aufmerksames Zuhören genügt. Professor Langdon – so heißt er nicht wirklich, ich nenne ihn innerlich nur so, da er irgendwie Tom Hanks in The Da Vinci Code ähnelt – verteilt vor jeder Vorlesung sein Skript.
Ich nehme kurz meine Brille ab und lege mein Gesicht in meine Hände um meine brennenden Augen zu massieren. Ich bin müde, denn Gestern war’s ein langer Abend im Sage. Dort war ich mit Sandra, Daniel und der anderen Sandra verabredet. Als ich ankam, waren die drei schon etwa eine Stunde vor Ort und mit einer Gruppe Abiturientinnen ins Gespräch gekommen. Der einen davon stellte ich mich beim Begrüßen meiner Freunde vor. Aber sie war zu jung, um von besonderem Interesse zu sein. Den restlichen Abend über schenkte ich den anderen Clubgästen wenig Beachtung, denn ich genoss es, unter meinen Freunden zu sein und mit Sandra zu schäkern.
Das brennende Gefühl in meinen Augen legt sich etwas und ich setze mir wieder meine Brille auf. Und dann trifft es mich wie ein Schlag. PAU – mitten ins Selbstvertrauen. Mein Ego geht zu Boden. Sie ist groß und schlank und kommt meine Sitzreihe entlang auf mich zu. Die Raumzeit selbst muss einen kleinen Aussetzer haben, denn alles scheint so verlangsamt, dass ich die Flügelschläge eines eiligen Kolibris zählen könnte. Also sie hat schulterlanges Haar, mittelgroße Brüste, die sich sexy unter ihrem roten Top abzeichnen, und setzt sich auf einen Platz zu meiner Linken. Sie ist die Art Frau, die es versteht dich allein durch ihre Ausstrahlung wehrlos zu machen. Ich fange an mein Selbstvertrauen auszuzählen: EINS…ZWEI… Ihr Gesicht scheint makellos glatt und sie hat große Augen …DREI… Sie sind so strahlend weiß, …VIER… dass man damit einen kleinen Raum beleuchten könnte. …FÜNF – es öffnet die Augen… Ihr Makeup ist dezent und betont geschickt ihre Vorzüge. …SECHS – es bewegt sich… Kurzum: Sie scheint eine großartige Frau zu sein. …SIEBEN – es versucht sich aufzurappeln …ACHT…NEUN – es steht tatsächlich noch auf. Aber es reicht trotzdem. Ich gönne es mir noch eine zehntel Sekunde lang, sie anzuschauen. Dann wende ich mich ab. Noch einmal denke ich an gestern Abend zurück, wie Sandra meinte, dass ich mich in den letzten sechs Monaten verändert hätte. Ich sei selbstbewusster geworden. Das ist wahr. Auch bin ich stärker geworden, wie Sandra eingestehen musste, als ich sie unvermittelt hoch hob. Ich habe hart trainiert. Und ich bin noch lang nicht am Ende.
Professor Langdon betritt den Saal. Die Vorlesung beginnt.
9 comments Februar 26, 2009
Ein Grund, aber kein Hindernis

Was bisher geschah …
Manchmal scheint ein Mädchen [...] seltsam interessant zu sein … sie fuhr mit ihrem Fahrrad an uns vorbei [...] doch sie fuhr nicht schnell genug … zwei postpubbertierende Spinner [...] laufen nachts einem unschuldigen Mädchen [...] hinterher … wie hätte es anders sein können, dass sie bereits einen Freund hat … sie war einem Treffen nicht gerade abgeneigt … doch was macht der größte Vollidiot auf diesem Planeten … er sieht zu, wie die Schöne in der Dunkelheit der Nacht verschwindet …
Und nun die Fortsetzung …
Noch am gleichen Abend verdammte ich mich für die verpasste Gelegenheit. Ich hatte ein Treffen mit ihr bereits sicher und schmiss das einfach weg! Vielleicht aber konnte ich diesen Fehler rückgängig machen; ihn aus dem Universum radieren. Also überlegte ich erstmal, was ich alles über sie wusste. Im folgenden eine ausführliche, allumfassende Liste sämtlicher Informationen, die mir dabei helfen konnten, sie wiederzusehen:
1. —
Nagut, das ist nicht ganz wahr. Einen Hinweis gab es: Sie ging vermutlich gern in die Cinemathek! Und womöglich würde sie auch beim nächsten Mal wieder dort sein. Besser als nichts, dachte ich und saß eine Woche später zusammen mit Wrong auf einer Bank, von der aus wir den gesamten Eingangsbereich des Kinos im Blick hatten. Sie konnte uns gar nicht entkommen – vorrausgesetzt die Rechnung ging auf und sie würde da sein.
Und das war sie.
Nachdem die Vorstellung zuende war und die Leute nach draußen stürmten, sah ich sie mit männlicher (!) Begleitung vor dem Kino stehen (Flashback: … es stellte sich heraus, dass sie bereits einen Freund hat …). Ich musste schnell handeln, wenn ich sie nicht wieder verlieren wollte. Also ging ich auf sie zu und sprach sie an. Ich heuchelte Interesse an einem rein freundschaftlichen Treffen und verleugnete damit die Wahrheit meiner Existenz. Egal. Denn sie sagte »ja«. Mal wieder. »Lass uns irgendwo ein Bierchen trinken gehen.«, schlug sie vor und führte mir den ersten großen Unterschied zwischen uns vor Augen. Es sollte nicht der letzte sein …
Also ließ sie ihren Freund stehen und zog mit mir los! (Objektiv gesehen, finde ich, dass ihr Freund mir eins in die Fresse hätte geben sollen.) In einem Strandcafé zog ich mir nach anfänglichem Kennenlerngewäsch Anekdoten über ihr Jurastudium und ihre Vorliebe für Salsatänze in Chile rein, während ich versuchte, nicht an ihre gebärfreudige Hüfte zu denken. Immer mehr Details ließen mich in ihr einen Menschen erkennen, der nicht das geringste mit mir gemeinsam hatte. Aber sie sah nunmal toll aus und so lauschte ich weiter ihren Phrasen über ihr Leben mit ihrem Freund, ihrem Studium und ihren bescheuerten Salsatänzen … Dummerweise trug ich in der immer kälter werdenden Nacht nur ein T-Shirt und so sank meine Körpertemperatur allmählich auf ein kritisches Niveau. Das Zittern unterdrückte ich circa zwei Stunden lang, ehe das „freundschaftliche Treffen“ beendet war. Ich schlug ihr vor, dass wir uns demnächst gemeinsam einen Film in der Cinemathek anschauen könnten, beging aber einen klassischen und fatalen Fehler: Anstatt mir ihre Telefonnummer geben zu lassen, gab ich ihr die meine. Dass ich nie wieder was von ihr hörte, sollte niemanden verwundern …
Ach ja … fast hätte ich’s vergessen: Zu dieser Zeit fuhren keine Züge mehr und ich musste mitten in der Nacht zwanzig Kilometer durch den Wald laufen, um nach Hause zu kommen. Hatte ich erwähnt, dass ich zu diesem Zeitpunkt bereits seit Stunden fror? Egal.
[MIRAGE TWO]
4 comments Januar 30, 2009
Ein Einakter über den Liebeskummer

Handlungsort ist mein kleines WG-Zimmer in der Ravensberger Straße. Der Gemütsverfassung des Hauptprotagonisten – mir – entsprechend, ist das Zimmer unaufgeräumt: Das Bett ist nicht gemacht, eine kalte Wärmflasche liegt unter einem Kissen, das nur noch zu Hälfte im Kissenbezug steckt, und die Schalosien sind die meiste Zeit des Tages heruntergelassen. Auf dem Schreibtisch stapeln sich Zettel, die eingeordnet werden müssen (es aber nicht werden) sowie Bonbon- und Schokoriegelverpackungen die dem Müll zugeführt werden sollten (es aber ebenfalls nicht werden). Aus den Lautsprechern des Notebooks dröhnt eine konstante Melange aus melancholischem New Wave und wortloser Elektronik, die ich zumeist ebenfalls als kalt und traurig empfinde.
Vor dem Rechner sitze ich – noch immer in meiner Schlafkleidung habe ich mir die Bettdecke um die Beine gewickelt. Die Haare sind ungewaschen und hinter die Ohren geklemmt. Ich glaube, meine Zähne habe ich heute noch nicht geputzt.
Zum Verständnis sollte man vielleicht wissen, das sie und ich vor genau einer Woche beschlossen haben, uns vorerst weder zu sehen noch zu schreiben – weil aus dieser Sache zwischen uns nichts werden konnte und wir beide eigentlich nur noch traurig waren. Die Worte »Ich komme damit nicht klar« würden nicht im Mindesten zum Ausdruck bringen, wie wenig ich mit meinen Gefühlen umzugehen weiß.
Gedankenverloren klicke ich also gerade zum wohl hundertsten Mal hintereinander auf den Empfangen-Button in Outlook Express. Natürlich schreibt sie nicht. Mittlerweile bin ich soweit, dass mich sogar Spam-Mails ein wenig aufheitern.
Plötzlich höre ich, wie sich die Wohnungstür öffnet. Einen Augenblick später betritt eine fremde Person mein Zimmer und setzt sich auf den Sessel hinter mir. Fassungslos stehe ich auf – wobei die Decke herunterrutscht und einen peinlichen Blick auf meine Unterhose gewährt – und starre den Fremden an. Erstaunt stelle ich fest, dass er genauso aussieht wie ich …
Ich: Was … ? Wer bist du?
Er: Wer ich bin? Ich bin du – nur aus der Zukunft. Aus der fünf Monate entfernten Zukunft, um genau zu sein.
Ich: Wie? Ich?
Er: Ja, ich bin du! Die Augen verdrehend meint er dann zu sich selbst: Ich kann mich nicht erinnern, damals ein Hörproblem gehabt zu haben.
Ich: Aber wie soll das möglich sein? Wie bist du hier reingekommen?
Er: Wie ich hier reingekommen bin? Wie wohl? Durch die Tür natürlich. Schon vergessen – ich wohne hier. Das wird sich auch in den nächsten fünf Monaten nicht ändern.
Ich: Ja, aber wie kommst du hierher?
Er: In einer Zeitmaschine eingebaut in einen DeLorean, was dachtest du?
Ich: Ehrlich!?
Er: Scheiße, war ich denn echt dermaßen humorlos vor fünf Monaten? Nein, natürlich nicht. Einfach in einer Zeitmaschine eben.
Ich: Wow, das ist ja unglaublich! Wie funktioniert die?
Er: Wie die funktioniert? Grundsätzlich basiert die Technik auf die kurzfristige Verschiebung der Koaxialkonstante des Raum-/Zeitgefüges. Dies geschieht im Grunde durch die subchronotone Differenzialdiffusion des dimensionalen Neutrinostromes …
Ich: Unglaublich! Das klingt fast, als hättest du es dir eben gerade ausgedacht!
Er: Herrgott, natürlich habe ich mir das eben gerade nur ausgedacht! Woher verflucht soll ich wissen, wie das funktioniert? Ich wette, du kannst mir nichtmal erklären, was im Inneren deines Notebooks vorgeht. Und außerdem bin ich nicht hier, um über Zeitreisen zu philosophieren.
Ich: Weshalb bist du denn hier? Um mir auf den Sack zu gehen, oder was?
Er: Ich bin hier, um dich davon abzuhalten, die ganze Zeit scheiße drauf zu sein wegen diesem Mädchen. Du solltest wissen, dass du in nur fünf Monaten schon wieder total glücklich sein wirst. Du hast sie dann vergessen und hast sogar eine neue Freundin! Und die ist echt toll, glaub mir.
Ich: Ehrlich? Und deswegen kommst du her? Warum gehst du dir nicht unsere Geburt angucken oder sowas? Meine Fresse, ich bin schon traurig genug; da muss ich mir nicht noch reinziehen, wie glücklich andere mit ihrer tollen Freundin sind.
Er: Andere? Aber ich bin doch du! Nur aus der Zukunft eben. Scheiße, da will man nur mal helfen …
Ich: Helfen? Indem du mir erzählst, wie glücklich du bist? Verflucht, warum sagst du mir nicht einfach, wie ich unsere Freundin jetzt schon kennenlernen kann? Das wäre doch mal eine Hilfe.
Er: Ich weiß nicht … Ich hätte Angst, dass du es versaust.
Ich: Dass ich es versaue? Aber ich bin doch du! Wie kann ich es da versauen?
Er: Keine Ahnung. Es ist einfach die Art, wie du gerade drauf bist. Guck dich doch mal an! Du hängst nur noch vor dem Rechner; bekommst gar nichts mehr hin. Und was soll das da auf deinem Desktop? Ist das nicht das Bild, das du damals für sie gemacht hast; um sie zu beeindrucken? Ist es nicht an der Zeit, das mal zu entfernen? Oder guck dir mal den Boden an: Was soll der Quatsch mit den ganzen Pfefferminzschokoladenpapierchen, die hier verstreut sind? Bloß weil sie die damals da hingeschmissen hat. Du musst aufhören, an ihr festzuhalten. Du solltest wissen, wie schwachsinnig das wirkt, Alter!
Ich: Also bist du nur hier, um mich anzuwichsen, oder was?
Er: Ich weiß nicht; du bist einfach total armselig geworden. Was machst du da eigentlich? Er zeigt auf das Notebook. Sie wird dir eh nicht schreiben, glaub mir.
Ich: Woher willst du das wissen?
Er: Schon vergessen, wo ich herkomme?
Ich: Ja, ist ja okay, Mister Ich-komme-aus-der-Zukunft. Du bist ja repetiver als ein Song von Autechre. Sag mal, warum hast du mich nicht vor zwei Monaten besucht und mich davon abgehalten, überhaupt mit ihr in Kontakt zu treten? Damit hättest du mir so einiges an Leid erspart.
Er: Was meinst du, wo ich gerade herkomme? Der Wichser von damals hat mir überhaupt nicht erst zugehört! Er war nicht davon abzubringen, sie kennenlernen zu wollen. Ich hab’s wirklich versucht, glaube mir. Also bin ich hierher gekommen.
Ich: Aber warum gerade hierher? Warum dieser Tag?
Er: Es war wichtig, einen Tag zu finden, an dem du allein bist und keine besonderen Ereignisse uns stören könnten. Wie du dir vorstellen kannst, war es nicht sonderlich schwer, so einen Tag zu finden.
Ich: Wirklich charmant, danke. Wenn alles so toll sein wird in meiner Zukunft, warum kommst du dann überhaupt her? Lass mich doch einfach leiden. Vielleicht will ich das ja.
Er: Ich glaube, du hast vergessen, wen du hier vor dir hast. Ich weiß, dass du nicht mehr an sie denken möchtest. Ich will einfach, dass du nicht mehr so scheiße drauf bist. Geh raus! Mach was! Er deutet erneut auf das Notebook. Oder da, schreibe doch mal dieser Hanna aus der FH. Vielleicht wird das ja was …
Ich: Willst du damit andeuten, Hanna wäre die Freundin, die ich in fünf Monaten habe?
Er: Er schlägt die Hände vor das Gesicht. Meine Fresse …
Ich: Oder halt! Warum solltest du mir dann sagen, dass ich ihr schreiben soll? Wenn du wirklich solche Angst hast, dass ich deine Beziehung schon während der Entstehung kaputt machen könnte. Also wird sie sicherlich nicht die Freundin meiner Zukunft.
Er: Äh …
Ich: Aber Moment! Warum sagst du mir dann, dass ich ihr schreiben soll, wenn du nicht denkst, dass es mir dadurch besser geht? Vielleicht ist sie doch meine nächste Freundin? Scheiße, ich seh’ nicht mehr durch … Das ist wie in diesen Star Trek-Folgen. Außerdem will ich Hanna gar nicht schreiben. Bloß, weil sie irgendwie süß ist? Sie ist aber eben nicht sie.
Er: Okay, vielleicht lassen wir das besser. Ich sehe, dass das nichts bringt. Es gibt übrigens noch einen weiteren Grund, warum ich dich gerade heute besuche.
Ich: Desinteressiert schniefe ich. Und der wäre?
Er: Ich kann mich noch sehr genau erinnern, dass du heute mal wieder mit dem Gedanken spielst, ihr etwas zu schreiben. Ich bin gekommen, um dich davon abzuhalten.
Ich: Aber warum willst du das tun? Ich will ihr doch nur schreiben, wie sehr ich sie vermisse und …
Er: … und wie scheiße du drauf bist. Ja, schon klar. Und natürlich erwartest du keinerlei Antwort. Du willst ihr einfach nur schreiben …
Ich: Ja, okay. Vielleicht erwarte ich schon irgendwie eine Antwort von ihr, du hast Recht. Also schreibe ich ihr nicht. Zufrieden?
In diesem Moment öffnet sich erneut die Wohnungstür und jemand stürmt hinein. Ich und ich starren erschrocken zur Zimmertür und blicken auf die schnaufende Person, die wütend im Türrahmen steht. Wie könnte es anders sein: Natürlich ist es eine weitere Version meiner selbst …
Er Nummer Zwei: Höre nicht auf ihn! Er zeigt auf mein zukünftiges Ich.
Ich: Und wer bist du jetzt? Der Geist der vergangenen Weihnacht?
Er Nummer Zwei: Nein. Ich bin du – aus der zehn Monate entfernten Zukunft. Und ich bin gekommen, um dir zu sagen, dass du ihr schreiben musst. Los, schreibe ihr!
Er: Nein, tu das nicht! Sie wird sowieso nicht antworten.
Er Nummer Zwei: Woher willst du das wissen? Bloß weil sie das innerhalb der nächsten fünf Monate nicht tun wird? Ich sage, schreib ihr!
Ich: Okay, Jungs, diskutiert ihr das aus. Ich wende mich anderem zu.
Während die beiden ungestört weiterstreiten, ob ich ihr nun schreiben solle oder nicht, drehe ich mich mit meinem Schreibtischstuhl an den Rechner und beginne einen Artikel für den Verflirtet-Blog über dieses merkwürdige Erlebnis zu schreiben. Mein erster Satz sieht folgendermaßen aus: Handlungsort ist mein kleines WG-Zimmer in der Ravensberger Straße. …
6 comments Januar 21, 2009
Das Kino-Mädchen

„Cinemathek“ bezeichnet eine Reihe ausgewählter anspruchsvoller Filme im Kino der Oderstadt Frankfurt. Naja, zumindest anspruchsvoller als das, was man unter dem Begriff „Popcornkino“ versteht. Ich persönlich verbinde seit einiger Zeit „Cinemathek“ mit anspruchsvollen Filmen aber auch anspruchsvollen Mädchen. Zu meiner Begriffsdefinition jenes Wortes gesellen sich außerdem die Eigenschaften „attraktiv“, „brünett“ und „natürlich“. Ich weiß gar nicht mehr, welchen Film ich da gesehen habe, aber ich weiß, dass ich ihn mit Mr. Wrong gesehen habe. Naja, ein schönes Mädchen zu erblicken passiert sicher nicht so selten, wie irgendwo Plutonium zu entdecken. Aber manchmal scheint ein Mädchen irgendwie .. na sagen wir … seltsam interessant zu sein. Ein Satz, der wager nicht sein könnte, ich weiß. Soll das jeder so interpretieren, wie er will. Zumindest hat man zwei Möglichkeiten. Entweder anschauen und losgehen. Oder ansprechen und mit ihr zusammen losgehen. Ich wählte Option #1. Schade.
Wrong durch die kalte, schwarze Nacht bis nach Hause zu begleiten hatte ja auch was. Man spekulierte, wie es wohl in alternativen Universen aussah. In Universen, wo ich mit der Schönen ins Gespräch gekommen wäre; anstelle von Wrong sie nach Hause begleitet hätte. Stattdessen … ach was. Vom Stattdessen zu schwafeln, interessiert keine Sau. Viel interessanter ist, wie die Geschichte weitergeht: Auf unserem Nachhauseweg fuhr sie mit ihrem Fahrrad an uns vorbei. Das war vielleicht kein großer Zufall, so klein wie diese Stadt ist, aber zumindest war es ein Zufall. Diesen Zufall auszunutzen fällt einem natürlich nicht innerhalb einer halben Sekunde ein, die sie an einem vorbeifährt. Doch sie fuhr nicht schnell genug, um die Flinte schon ins Korn zu werfen. An dieser Stelle entschuldige ich mich für dieses alberne Sprichwort, doch es passt einfach zu gut. Was machen also zwei postpubbertierende Spinner, die Unmengen von Star Trek Fanartikeln bei sich zuhause haben? Richtig. Sie laufen nachts einem unschuldigen Mädchen eiligen Schrittes hinterher. Nur peinlich oder schon krank? Urteilt selbst.
Wie es nunmal so ist, ist man mit einem Fahrrad ungemein schneller als zu Fuß. Wrong und ich waren am Ende. Eigentlich war ich froh, am Ende zu sein. Ich heuchelte damit Machtlosigkeit; ich war also nicht mehr im Stande, die Schöne einzuholen und zu überfall.. äh .. anzusprechen. Ich musste aufgeben. Tja. Halb enttäuscht, halb froh über das Ende dieser buchstäblichen „Jagd“ (Oh mein Gott!), musste ich zusehen, wie Wrong nicht so sehr am Ende war wie ich. Er schaffte es tatsächlich, sie zum Anhalten zu bewegen! Und so verdankte ich ihm ein Gespräch, in dessen Verlauf sich herrausstellen sollte, dass sie bereits … na? Man ahnt es schon, oder? … dass sie bereits einen Freund hat. Wie hätte es anders sein können … Zu meiner Verwunderung war sie einem Treffen nicht gerade abgeneigt. Zwar nur freundschaftlich, aber immerhin ein Treffen. Doch was macht der größte Vollidiot auf diesem Planeten? Was macht der größte Trottel, den man sich vorstellen kann? Genau: Er sagt ihr, dass das keine so gute Idee wäre! Er spielt den heiligen Moralapostel und lehnt ab. Und dann sieht er zu, wie die Schöne in der Dunkelheit der Nacht verschwindet. Menschen, die so dumm sind, sollten nicht weiterleben dürfen! Das ist ein Zitat. Und ich kann noch jemanden zitieren. Eine Person, die ich damals leider noch nicht kannte und die sagte: „Ein Grund, aber kein Hindernis.“
Ich musste sie unbedingt wieder sehen. Und das tat ich auch. Unter welch waghalsigen Umständen, das erfahrt Ihr im nächsten Jahr …
to be continued
[MIRAGE TWO]
15 comments Dezember 31, 2008
Wieder da!

Am 30. März 2007 rief DiePassionChris den Blog ins Leben, der das Leben so vieler Menschen bis heute beeinflussen sollte. Frauen wurden vor den wahren Absichten der Männer gewarnt und Männer auf die Unberechenbarkeiten der Frauen vorbereitet. Die kostbarsten Triumphe und zerschmetternsten Niederlagen des Autorentrios sollten von nun an in der Öffentlichkeit gelesen und diskutiert werden. In den Schilderungen ihres Singledaseins nahmen sie sich selbst auf die Schippe, kamen aber auch zu wichtigen Erkenntnissen. Ihre Geschichten und Erfahrungen waren für viele Menschen richtungsweisend, als sie sich an der Schwelle zur totalen Niederlage befanden. Ob sie davor bewahrt oder mutwillig hineingestoßen wurden, sei dahingestellt.
Nach einem halben Jahr hatten sie den Zenit ihres Erfolgs jedoch schon überschritten. Als Doctor Love seine Berufung in einer Beziehung zu finden geglaubt hatte, legte er seine Autorenschaft nieder und stellte seine Beteiligung am Projekt Verflirtet ein. Ihno hingegen suchte sein Glück in einer anderen Stadt. Und so war für ihn das Projekt, das in gemeinsamen vier Wänden entstand, defakto erledigt. Die Autoren verstreuten sich in alle Winde, die noch nie regelmäßigen Beiträge wurden noch rarer und die Leserschaft schrank rapide. Auch die Verpflichtung von Mr. Wrong konnte das Tief nicht anhaltend überbrücken. So zog DiePassionChris seine Konsequenzen und verkündete der Öffentlichkeit am 01. Mai 2008 schließlich seinen Rücktritt und somit auch das Ende von Verflirtet. Petitionen verbliebener Fans blieben vergeblich. Die immer wiederkehrende Frage der Journalisten, ob er nicht doch noch einmal die Tastatur für einen neuen Beiträgen schwingen würde, kommentierte er nur mit einem »Das halte ich für maßlos unwahrscheinlich.« Zum öffentlichen Eklat kam es dann, als man DiePassionChris vor laufender Kamera diese Frage einmal zu viel stellte. »Die Sonne scheint. Ich geh jetzt raus.«, verließ DiePassionChris das Gespräch und ließ den Interviewer sitzen.
Monate vergingen und niemand glaubte mehr an ein Lebenszeichen des einst so ruhmreichen Blogs. Im August 2008 geschah dann das, woran niemand mehr zu glauben wagte: Doctor Love meldete sich plötzlich zurück. Ohne Ankündigung gab es wieder neue Beiträge, die genau dort anknüpften, wo er ein Jahr zuvor aufgehört hatte. Das veraltet schienende Konzept von Verflirtet war auf einmal wieder aktuell und wurde kombiniert mit einem neuen, frischen Look. Doch die Euphorie wurde wieder gebremst, denn der Blick auf die Einschaltquoten erinnerte nicht gerade an alte Zeiten. Es musste noch etwas geschehen. Irgendetwas fehlte dem Blog. Irgendjemand fehlte dem Blog.
Berlin. Mitten in der Nacht klingelte in das Telefon. DiePassionChris nahm den Hörer ab. Ein aufgeregter Doctor Love erzählte ihm von einer Vision, die der Menschheit den Atem verschlagen sollte. Nach anfänglicher Skepsis ließ sich DiePassionChris die Sache nocheinmal durch den Kopf gehen. Im November 2008 reiste er für ein paar Tage nach Bielefeld, der Wahlheimat Doctor Loves, um mit ihm die Situation persönlich zu erörtern. Was genau in jenen Tagen zwischen den beiden besprochen wurde, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall aber können die Fans endlich aufatmen:
DiePassionChris kehrt auf die Bühne des Schreibens zurück!
5 comments November 20, 2008