die warte-falle

Oktober 21, 2011 at 10:35 2 Kommentare

Eine Freundin meinte mal zu mir, dass wir Mädchen sehr schnell auf männliches Interesse reagieren. Sofern uns derjenige reizt. Ich spreche hier nicht für alle, aber wahrscheinlich findet sich das ein oder andere Mädchen hier wieder. Was schon irgendwie traurig und dennoch tröstend ist.

Die Reaktion, welche sie meinte, war darauf bezogen, dass man beispielsweise auf Anrufe wartet, obwohl man weiß, dass man so etwas unterlassen sollte. Aber man macht es trotzdem. Auch wenn wir es uns schön reden. Wir warten. Und nicht nur auf Anrufe. Wir warten auf Mails, die Anwesenheit auf Kommunikationsplattformen oder kleine Nachrichten, die uns den Tag versüßen könnten, wenn sie doch nur den Weg zu uns fänden.

Wie kommt das? Man lernt sich kennen. Bleibt unverbindlich, weil man sich und andere nicht verletzen will. So geschieht es, dass man im günstigsten Fall die Nummern tauscht. Im ungünstigsten Fall traut man sich nicht danach zu fragen und muss auf die gute alte Spionage zurückgreifen, insofern man das Gefühl hat, dass sich den Kontakt zu halten lohnen könnte. So bei mir geschehen.

Eine Woche nach unserem zweiten Kontakt ließ ich Leon – dem Mediziner – eine Mail zukommen, in der ich ihn – unverbindlich – darüber informierte, dass unser Studiengang ein Semesterangrillen veranstaltete und dass er gern dorthin kommen könnte. Eine Antwort, sowie Rückmeldung blieb aus. Ich bat einen guten Freund um Rat, da ich in diesen Dingen maßlos unerfahren bin. Er riet mir ihn abzuschreiben. Gesagt, getan. Das Abschreiben funktionierte ganz gut. Bis eine einsame Nachricht auf meinem Uni-Account landete. Von Leon. Ich sah darüber hinweg, dass er den Betreff nicht ändert, sondern einfach nur antwortete. Aber das ist ein anderes Thema.

Er schrieb, dass er die vergangene Woche krank war. Nichts ernstes, aber eben nervig. Ja gut. Sich nicht zurück zu melden, weil man eine harmlose Erkältung hatte, lasse ich eigentlich nicht gelten. Aber ich dachte, er wird schon seine Gründe haben. Übrigens immer ein guter Gedanke, um nicht alles so ernst zu nehmen. Er teilte mir mit, dass am Freitag ein Party stattfinden würde und dass er dort kurz vorbeischauen würde, dass wir ja auch kommen könnten und man sich dann sieht. Wer ist wir? Ich wusste nicht, dass ich multipel bin. Damit meinte er sicher Anja, die mich bei dem vergangenen Event begleitet hatte. Also ich bin ja schon schwammig, was Captain Subtext betrifft, aber das übertrifft alles. Entweder er denkt sich so wirklich gar nichts dabei oder er achtet penibel darauf, was er äußert.

Ich schrieb ihm zurück, dass „wir“ noch nichts vorhätten und die Möglichkeit der Anwesenheit bestünde, wenn „“wir“ wüssten, wo das ganze stattfinden soll. Und das war vor zwei Tagen. Seitdem sitze ich entnervt in diesem selbst gebauten Gefängnis, dass sich die Warte-Falle schimpft. Ich weiß, ich sollte nicht warten. Aber Gefühle sind dem Verstand macht-mäßig durchaus überlegen. Egal wie sehr man abwägt und logisch plant. Egal wie sehr man sich anstrengt, Spock zu sein.

So sitzt man also und denkt immer wieder daran, den Account nach dem dreißigsten Mal nicht wieder abzurufen. Man regt sich darüber bei sich selbst und bei Eingeweihten auf. Und hofft dabei, dass es endlich Abend wird und man die eine oder andere Antwort hat. Eben eine Nachricht oder keine.

Es ist ärgerlich, sich so zu sehen. Man denkt unweigerlich an ein Kleinkind, welches sein Spielzeugroboter will, der sich partout nicht vom Fleck auf einen zu bewegt. Und man nimmt es hin. Zu warten. Aktives Warten. Aber länger als bis sieben warte ich nicht – denk ich mir und öffne zum einunddreißigsten Mal an diesem Morgen meine Mailbox. 

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Flirthistorische Dokumente: Der Test

2 Kommentare Add your own

  • 1. Dr. Love  |  Oktober 22, 2011 um 15:05

    Wenn man in der Warte-Falle steckt, ist man vermutlich der, der mehr Interesse am anderen hat. Offenbar scheint der andere nicht die Freude über gegenseitige Mails etc. zu teilen. Oder der Andere ist ein Mensch, der nicht auf sowas Wert legt und sich lieber direkt unterhalten will. Dafür müsste er aber besser darin sein, sich zu verabreden.

    Ich glaub aber auch, dass es genauso Menschen gibt, die sich n Teufel um sowas scheren. Keine Ahnung, wie diese Wesen funktionieren. Wie man das kategorisieren könnte, wär ne interessante Frage. Vielleicht in Leute, die so sind wie Du und Leute, die so sind wie dieser Leon …

    Angrillen? Haha, ich dachte das Wort benutzen nur Rentner aus der Provinz. 😛

  • 2. audrey  |  Oktober 22, 2011 um 17:51

    ja und meine kommilitonen 🙂

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