damn not sure

November 18, 2011 at 23:36 2 Kommentare

Ich dachte eigentlich, dass der letzte Artikel über Ben, der letzte für das Zeugnis seiner Existenz sei. Aber da irrte ich mich streng. Ich bin so unglaublich beeindruckt von diesem Menschen, dass ich ihm diesen Artikel widme. Er soll es mir nachsehen, insofern er jemals davon erfährt.

Nachdem ich merkte, dass Alkohol ein hemmungslösendes Mittel für ihn ist, war es für mich nicht mehr allzu schlimm, tagsüber keine Gespräche mit ihm zu führen.Der Grund dafür war ein schlichter. Er war einfach nicht interessant genug. Ja wir teilten Eigenschaften. Jedoch besaß er zu wenige eigene, die ein Interesse an seiner Person gerechtfertigt hätten. An dieser Stelle, möchte ich äußern, dass nicht zu reden jemanden nicht zwangsläufig interessanter macht. Punkt.

Vergangene Woche hatten wir Abends eine Veranstaltung, die sich Nachtwanderung schimpfte und solch eine auch war. Ohne besonderen Schnickschnack wie Erschrecken und derlei Sachen, die man aus seiner Kindheit kennt. Man muss dazu sagen, dass diese Idee einem Kommilitonen entsprang, um die Matrikel einander näher zu bringen. Ich bin kein Spaziergänger, aber des Nachts durch einen Wald zu stampfen hat schon etwas für sich. Vor allem bei meinem Unvermögen selbst bei Tageslicht nicht peinlich zu stürzen. Wir tranken Glühwein, damit die Wanderung an Spaß gewann. Ich unterhielt mich mit ein paar Leuten und Ben setzte sich mit Freunden hinter mich an den Tisch. Ich bemerkte ihn und grüßte. Drei Minuten später lief ich davon und unterhielt mich mit den zwei Mädchen, welche ich auf der letzten Veranstaltung kennen gelernt hatte. Als der Aufbruch nahte, kam Ben und wir tauschten dünne Wortsuppe. Wir liefen los und ich bemerkte, dass ich auf einmal allein mit Ben lief. So war das nicht geplant. Aber ich nahm es hin.

Er erzählte und ich hörte zu. Immer wieder mal kamen Freunde von ihm vorbei und witzelten über interne Situationen, die ich nicht kannte und die mir egal waren. Mir blieb nichts anderes übrig als zu zuhören, da immer weniger Leute um uns herum her liefen. Vor allem keiner mehr, den ich noch kannte. Die Gruppe zog sich mittlerweile über ein weite Strecke. Ben hatte schon mehr im Turm als ich anfänglich bemerkte und drängte mich immer weiter an den Rand des Weges. Ich fühlte mich wie der positive Teil eines Magneten und mir viel spontan eine Vorbereitung für eines meiner Hochschulpraktika ein. Ich ärgerte mich ein wenig über seine Unkoordiniert. Er leuchtete mir immer wieder mit seiner Taschenlampe ins Gesicht, vorauf ich entnervt, aber lachend reagierte, was ihn übrigens sehr amüsierte.

Nach einer Ewigkeit kamen wir wieder an dem Punkt an, von welchem aus wir los liefen. Ich lieh meine Brille an einen Jungen, den ich gerade kennen lernte und der mir minütig sympathischer wurde, da er mich stark an einen guten Freund erinnerte. Ich sah nicht sehr viel und Ben sagte mir, dass ich ohne Brille echt krass aussähe. Danke für die Blumen, du Wurst. Er sagt ohnehin viele Sachen, die nicht sehr eindeutig sind. Und er erwähnt sie jedes Mal, wenn wir uns sehen. So weiß ich jetzt, dass er es echt krass findet, dass ich draußen in der Kälte sitze und Artikel schreibe, während alle anderen in der warmen Mensa sitzen. Hallo. Da kann man nicht rauchen. Entschuldige, aber man muss schon mal Prioritäten setzen.

Wir liefen weiter zu einer Kneipe, die wir besetzen wollten, da alle die Besitzer so toll fanden. Ben bat seinen Kommilitonen, der noch meine Brille hatte, sie mir wieder zu geben. Ich sagte, dass dies schon so in Ordnung sei und seine silberne Rüstung, in die er sich kurz zuvor zwang, lief an, wie beschädigtes Material nun einmal anläuft, wenn es nicht gepflegt wird. Nicht gerettet werden zu müssen, ist für manche Jungs sehr hart. Er blieb zurück – nein, nicht aus diesem Grund. Ich lief blind mit den anderen weiter. Wir saßen in der Bar und Ben kam zur Tür, zwängte sich neben mich. Er fragte, ob ich heute wieder bei ihm schlafen wollte. Ich sagte, dass ich zurück nach Berlin fahre, aber mich schon für das Küchensofa in seiner WG bei seinen Mitbewohnerinnen angemeldet hatte für die nächste Party. Er bemerkte, dass Gitarre gespielt wurde und sagte dass wir auch zu ihm gehen könnten und er dort Gitarre spielen würde. Ich lächelte und war mir dabei nicht sicher, ob es spottend aussah. Glücklicherweise sah ich ihm nicht ins Gesicht. Er fragte, als er keine Antwort erhielt, ob wir eine Partie Billard miteinander spielen würden. Ich nickte und schon war er wieder weg, was mich kaum tangierte.

Später war ich schon mitten im Billardspiel, als er dazu stieß. In einer Pause setzte ich mich zu ihm und den Mädels und er erzählte mir, wie er sich für den nächsten Abend zur Bad-Taste-Party der BWLer – oh man, nicht schon wieder eine Mottoparty – verkleiden wolle. Er sagte sein Anhängsel solle zu ihm kommen und ihm helfen. Es wurde erwähnt, dass diese doch gar nicht da sei. Einen Moment lang realisierte er, dass er mit ihr in seinem Bett also nicht zu rechnen hatte und fragte mich, ob ich da sein würde. Ich lächelte süffisant und sagte „Nä, BWLer-Partys sind nicht so meins“. Es knackte. Ich fragte mich, ob es sein Stolz war, welcher brach oder das Geräusch von meinem verbalen Tritt in seine Weichteile her rührte. Er sah mich an und erzählte mir davon, wie er eben noch im Nebenraum saß und die beste Szene eines deutschen Liebesfilmes gesehen hatte. Ich fragte, welche und als er begann sie wieder zu geben, bereute ich die Frage schon. Als er fertig war, schaffte ich es gerade noch so mit einem gezwungenen Lächeln zu nicken und spielte dann weiter. Anna erklärte mir später, dass Jungs so was irgendwie immer sagen – habe sie das Gefühl -, um Mädchen ins Bett zu bekommen. Danke für diese Information.

Als es Zeit war zu gehen, verabschiedete ich mich von allen mit einer Umarmung. Einer der Jungs, mit denen ich schon länger zu tun hatte, hielt mich zu lang für diese freundschaftliche Geste im Arm und ich winkelte meine Bein an – wie beim filmisch perfekten Kuss -, um alles etwas theatralisch wirken zu lassen. Als ich durch war, beugte ich mich nicht zu Ben, sondern verabschiedete mich mit dem Gruß, welchen er für uns ersann. Im gleichen Moment sah er zu Boden. Es war ihm kaum möglich mich anzusehen. Er schien enttäuscht. Aber ich kann mich auch irren. Er tat mir irgendwie leid. So ein süßer, begabter Junge. Aber er war zu jung, um in Unsinnigkeiten mit ihm zu verfallen. Außerdem bin ich so ungern eine Kerbe im Bettpfosten eines Heranwachsenden, der sich selbst noch so einiges beweisen muss.

 

Advertisements

Entry filed under: Allgemein.

guten freunden gibt man ein küsschen

2 Kommentare Add your own

  • 1. Dr. Love  |  November 21, 2011 um 12:22

    »Als er fertig war …« 😀 So ein langweiliges Insekt. Vielleicht hilft in solchen Situationen ein Spray? Nein, also ehrlich, diese Termite hat in meinen Augen nichts, wofür es sich lohnen würde, Zeit aufzuwenden. Pfui.

    Auf meiner FH gabs vor ner Weile auch mal ne Bad-Taste-Party. Ist das so ein Standard-Motto oder nur Zufall? Den einzig kreativen Party-Titel, den ich je gehört habe, hatten sich Studenten der FH Münster für ihre Ersties ausgedacht: Ersti-Party-Dann-Das-Vergnügen.

  • 2. audrey  |  November 22, 2011 um 22:00

    haha genial. ich glaub das muss ich mal adaptieren.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

Trackback this post  |  Subscribe to the comments via RSS Feed


Archiv

Feeds


%d Bloggern gefällt das: