guten freunden gibt man ein küsschen

November 27, 2011 at 4:07 3 Kommentare

Nun ist es so, dass es Leute gibt, die behaupten, Studentenpartys wären ein Bumsbasar. Also das was die Klubs in jeder Art von Städten sind. Ich habe mir nie viel bei dieser Äußerung gedacht. Jedoch war ich vor kurzem auf einer dieser Veranstaltungen und mir blieb dort nichts anderes übrig, als dies zu tun. Darüber nachdenken, meine ich. Anfänglich war es noch witzig, als die Jungs, mit denen ich an diesem Abend an der Bar arbeitete, sich primäre männliche Geschlechtsteile aus Luftballons bauten und sie sich vor die Lenden schnallten. Auch, dass man als einziges Mädchen beim Aufbau der Bar von allen Jungs, die alle zwei Köpfe größer waren, ständig in den Arm genommen wurde, weil man offensichtlich einen Beschützerinstikt weckte, war vollkommen in Ordnung.

Dann nach endlosen Tischkickertouren und Alleintanzgängen kamen auch irgendwann Gäste. Küsschen hier, Umarmung dort. Der Pegel stieg mit jedem Lied, welches gespielt wurde. Nachdem meine Schicht beendet war, unterhielt ich mich und schwang mich völlig nüchtern auf die Tanzfläche. Ich denke wäre ich nur ein wenig alkoholisiert gewesen, würden mir folgende Bilder von ganz allein aus dem Kopf gehen.

Man tanzte miteinander. In dem Fall tanzte ich mit den beiden Mädels von der FoWi-Party, welche ich dort kennen lernte. Lena und Hannah. Ich verstand mich sehr gut mit beiden. Ich kannte damit mittlerweile deren komplette WG. Ben war einer der Mitbewohner. Der amüsierte sich bereits weitestgehend. Hannah, eine kleine Süße, mit Püppchengesicht, macht auf jeder Party mit einem Kommilitonen von mir herum. Da es immer der gleiche war, fragte ich mich, warum sie eigentlich kein Paar waren. Sie passten wunderbar zusammen. Lena stand auf einen Typen, den ich nicht kannte. Der hatte aber eine Freundin und so gab sie sich mit kleinen Aufmerksamkeiten von ihm zufrieden.

Man hatte Spaß. Man bewegte sich ausgiebig. Und nach einer Drehung – ja ich drehe mich gelegentlich beim tanzen – sah ich dabei zu, wie Lena und Hannah über die Grenzen eines freundschaftlichen Kusses hinaus gingen. Ich blieb abrupt stehen. Neben mir stand die Liebelei Hannah´s. Ich konnte nicht glauben, was da passiert. Ich sagte ihm, dass beide knutschen würden, als würde ich mich dieser Tatsache absichern wollen. Er starrte, genau wie ich und antwortete „Ja. Geil, oder?“ Ich sah ihn an und meine Augenbrauen schoben sich meine Stirn hinauf, als wollten sie aus meinem Gesicht flüchten. Im gleichen Moment fiel mir ein, dass er ein Kerl ist. Was hatte ich erwartet. Ich sage nicht, dass jeder so reagiert. Aber mir braucht keiner zu erzählen, dass er es nicht toll findet, wenn Mädchen das miteinander tun. Vor allem nicht, wenn sie annähernd hübsch sind. Nur einen Meter von einem entfernt. Ich schüttelte meine Unglaubwürdigkeit ab und ging zur Bar. Dort stellte sich ein Junge seitlich hinter mich und legte den Arm um meine Schulter. Ich sah nach oben in sein Gesicht. Er grinste und sagte, ich solle nicht so schüchtern sein.

War ich das? Schüchtern? Vielleicht sogar prüde? Schüchtern ja. Prüde, weiß ich nicht. Aber wenn man solch eine Veranstaltung besucht, muss man dann dabei mitmachen? Es ist ja nicht so, dass man einen Vertrag beim Einlass unterzeichnet, der jedem gestattet, vorspielähnliche Handlungen mit einem zu vollziehen. Und glaubt mir, ich übertreibe nicht. Einer meiner Kommilitonen stand hinter einem Mädchen und tanzte eng mit ihr. Als er uns sah, lächelte er und zog Mangnummäßig die Augenbrauen kurz hoch, als wolle er uns zeigen, dass er die Kleine schon so gut wie Bett hat. Er drehte ihren Kopf und küsste sie. Es sollte wohl leidenschaftlich wirken. Tat es aber nicht. Er griff ihr an den Busen, strich wild über ihren Bauch und vergrub dann besagte Hand in ihrem Schoß. Es wirkte wie ein unglaublich billiger Porno oder eine Parodie darauf.

Das Problem dabei war, dass er, sowie der Hälfte der in-sich-Verschlungenen vergeben waren. All deren Partner und Partnerinnen saßen zu Haus und dachten womöglich an den oder die Liebste. Ich denke, dies nannte man in den 60ern freie Liebe. Wie die WG von Ben. Das waren sehr freie Liebende. Jeder pennte bei jedem im Bett, wie mir mitgeteilt wurde. Dabei war es sicherlich nicht unwahrscheinlich, dass auch mal mehr als ein Traum geteilt wurde. Bevor ich dies erfuhr, tanzte ich noch einmal mit Hannah und Lena. Sie umarmte erst Lena, dann mich. Lena sagte, ich würde immer so gut duften und Hannah strich mit einem ihrem Zeigefinger und einem lasziven Blick von meinem Hals, über mein Dekolletee hinab, über meinen Bauch bis kurz vor den Bund meiner Hose. Ich lächelte verdutzt und drehte mich um. Mit großen Schritten lief ich zur Bar. Ich brauchte jetzt erst einmal etwas zu trinken. Wenn es das war, wofür ich es hielt, bedanke ich mich an dieser Stelle aufrichtig für das Kompliment. Aber es gibt keine sexuelle Revolution mehr zu führen, was bedeutet ich muss das nicht tun, um die Rolle der Frau sexuell zu befreien. Und wenn ich das Bedürfnis habe mit einem Mädchen etwas anzufangen, dann sicher nicht auf solch einer spannungsgeladenen Studentenparty. Da bin ich dann doch lieber prüde.

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damn not sure Zerflirtet: Kobayashi Maru

3 Kommentare Add your own

  • 1. Dr. Love  |  November 28, 2011 um 18:46

    Haha, Bumsbasar. Gutes Wort. Was macht eine gepflegte Dame wie Du in einem Bumsbasar? 😀 Und die interessantere Frage: Hast Du in Zukunft weiterhin vor, in solche Bumsbasare zu gehen? Superbild übrigens.

  • 2. audrey  |  November 30, 2011 um 19:04

    was ich da mache? saftschubse spielen. da kann man sein hobby, menschen bei der sozialen interaktion zu beobachten, am besten frönen.

    die frage ist berechtigt und ich bin mir nicht sicher. momentan bin ich abgeneigt solche bumsbasare zu besuchen. dennoch lehn ich nicht ab, dort wieder nach geschichten zu suchen.

  • 3. Dr. Love  |  Dezember 1, 2011 um 20:09

    Saftschubse musste ich erst mal recherchieren … Wing(wo)man oder was? Für einen Single ist diese Rolle bestimmt nicht befriedigend, aber ich schätze in dem Laden wär ich auch damit zufrieden. Musste man dem Türsteher eigentlich „Fidelio“ ins Ohr flüstern? 🙂

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