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Zerflirtet: Kobayashi Maru

Es gibt Erlebnisse, die dafür sorgen, dass man eine Zurückweisung nach einem Annäherungsversuch zu schätzen wissen kann. Dass man dankbar für jeden Korb wird, der – mit schönen Worten geschmückt – Anerkennung und Respekt für die Überwindung zum Ausdruck bringt, die man für eine solche Aktion aufbringen muss. Und ich meine nicht türkischen Teenie-Gangster-Respekt, sondern ganz einfache, solide Achtung. Ich rede davon, dass man seine Menschenwürde behält; dass man hinterher immer noch in den Spiegel gucken kann. Kann man dies nicht, liegt das womöglich an einem Erlebnis wie diesem hier:

Vor einigen Jahren fiel mir beim Einkaufen eine hübsche, junge Angestellte in einem Supermarkt auf. Ich kaufte damals regelmäßig dort ein und so kam es, dass ich mit jedem Mal, das ich sie dort sah, mehr Begeisterung für sie empfand. Es dauerte nicht lange, bis ich beschloss, sie anzusprechen, um mich mit ihr zu verabreden. Zu meiner Freude und Verwunderung, sagte sie zu und schrieb mir mit einem Kugelschreiber ihre eMail-Adresse auf eine Staude Bananen, die unter anderem zu meinem Einkauf gehörte. Ich nichtsahnender, auf meinem Heimweg nun fröhlich frohlockend- und jauchzender, dem Himmel für diese Großzügigkeit dankend und glucksend vor Glück grunzender, über Pfützen hüpfender Narr habe natürlich gedacht, ein Date mit ihr in der Tasche zu haben. Doch nachdem ich eine eMail an sie verschickt hatte, in der ich einen Ort und einen Zeitpunkt für ein Treffen vorschlug, wartete ich vergeblich auf eine Antwort. Nach ungefähr zwei Wochen verlor ich die Geduld und zog weitere Maßnahmen in Betracht. Zuerstmal überlegte ich, was der Grund für das Nichtantworten sein könnte, ehe ich weitere Interventionen beschloss. War meine Nachricht ungeschickt formuliert oder der Treffpunkt schlecht gewählt? Habe ich ihr zu schnell geschrieben? Oder gab es eine technische Ursache, sodass sie die eMail erst gar nicht zu lesen bekam? Oder habe ich ihre Antwort aus irgendwelchen Gründen nicht erhalten? Oder wollte sie nicht antworten? Mir war schon damals klar, dass das der wahrscheinlichste aller Gründe war, aber Sinn ergab das Ganze trotzdem nicht. Denn wenn sie nicht im mindesten an einem Date interessiert war, warum gab sie mir dann ihre eMail-Adresse? Die Lüge, bereits einen Freund zu haben, wäre – mal ganz abgesehen von der Wahrheit – viel unkomplizierter gewesen. Außerdem hätte sie doch annehmen müssen, dass ich dort öfter einkaufe und ihr wahrscheinlich nochmal über den Weg laufe. Um mich effektiv loszuwerden, hätte sie anders handeln müssen.

Ich wollte unbedingt herausfinden, warum ich nichts mehr von ihr hörte. Natürlich musste ich dazu noch ein weiteres mal auf sie zugehen, aber ist es nicht erniedrigend, ein Mädchen ein zweites Mal anzusprechen? Doch taktisch gesehen, war es am klügsten, denn so, wie es aussah, hatte ich nichts dabei zu verlieren. Und der Gedanke, dass mir ein Date mit diesem Mädchen nur aufgrund irgendeines dummen Missgeschicks versagt bliebe, war unerträglich. Als ich sie das nächste Mal beim Einkaufen erblickte, nahm ich nochmals all meinen Mut zusammen und ging auf sie zu. Endlich sollte ich die langersehnte Gewissheit bekommen und die Antwort auf all die Fragen, die mich die vergangenen Wochen gequält hatten. Im Innern meines Körpers wurden unlängst Wetten abgeschlossen, welch hanebüchene Story sie mir auftischen würde und nun würde ich sie hören. Der Augenblick der Wahrheit war gekommen. Ich fragte sie, ob sie meine eMail erhalten habe.

Warnung: Lesen Sie bitte nur weiter, wenn sie das Ödland der grauen Realität ertragen und auf das Weglassen von farbenfroher Fiktion gefasst sind.

»Ja.«, lautete die erste Silbe ihrer entschuldigenden Erwiderung. Sie habe meine eMail zwar erhalten, sei aber noch nicht dazu gekommen, mir zu antworten. Pfff… Jegliche Hoffnung löste sich auf in Enttäuschung. Das Rätselraten war vorbei, das Tappen im Dunkeln wich absoluter Klarheit über die gesamte Situation. Ernüchtert nahm ich die rosarote Sonnebrille aus meinem Gesicht, faltete sie ruhig und gefasst zusammen und legte sie irgendwo ins Warenregal. Beiläufig faselte ich noch irgendeine Abschiedsfloskel und ging.

 

Logbuchzusatz:

Irgendwann nach Jahren stieß ich in einem populären sozialen Netzwerk auf ihr Profil und stellte fest, dass sie im Begriff war zu heiraten (ich konnte nun ganz sicher sein, dass sie sich nicht mehr bei mir melden würde). Bei der Aufforderung an die Hochzeitsgäste, die gegen diese Bindung sind, doch jetzt zu sprechen oder für immer zu schweigen, wäre ich am liebsten aufgesprungen, hätte meine Ansprüche auf ein Date geltend gemacht und den Bräutigam mit den Überresten einer vor Jahren verfaulten Banane beschmissen. Stattdessen schickte ich ihr über das Netzwerk einen hämischen Gruß:

Ich warte immer — noch.

Traditionell bekam ich auch darauf nie eine Antwort.

[MIRAGE EIGHT]

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Dezember 4, 2011 at 2:48 5 Kommentare

Flirthistorische Dokumente: Der Test

Vor einigen Jahren berichtete ich von der Schönheit vom Nine-Inch-Konzert, der ich nach langer Verfolgungs-Odyssee eine Nachricht zukommen ließ, mit der ich sie dazu bewegen konnte, mir zu antworten und sich mit mir zu verabreden. Aus ihrer Sicht gesehen ein Blind-Date, denn alles, was sie von mir wusste, war, dass ich romantische Zettelchen schreiben konnte. Ein bisschen fühlte ich mich wie in der Rolle des Cyrano de Bergerac. Alles, woran ich denken konnte, waren irgendwelche Erwartungen, die es zu erfüllen galt; wie ich ihrer Vorstellung von mir gerecht werden konnte. Ich hatte zwar keine große Nase, trotzdem erschien mir meine physische Ausstattung nicht dem Idealbild eines gut proportionierten Dreamboys zu entsprechen. Hätte ich ein Surfbrett mit mir herumgetragen, hätte man sich bei meinem Anblick die Frage gestellt, für wen ich es aufbewahre.

Ich war gezwungen, mir eine andere Waffe zu wählen. Ich musste im Kampf mit dem Worte Eindruck machen. Da ich auf diesem Gebiet bereits punkten konnte, war das nur logisch. Nein, die Logik diktierte es geradezu. Die Passion Chris kreierte ein paar Fragen für mich in Form eines Tests, der mich auf dieses schwierige Treffen vorbereiten sollte. Wie man sich vielleicht denken kann, habe ich mich nicht besonders gut auf den Test vorbereitet, also waren die vorgegebenen zehn Minuten zum Beantworten der Fragen sehr knapp bemessen. Insofern sind meine Antworten teils unvollständig und erscheinen mitunter auch nicht sonderlich durchdacht … (Die Passion Chris‘ Korrektur ist rot hervorgehoben)

1. Wie begrüßen Sie die Person? (zwei Alternativen, möglichst optimistisch)

Möglichkeit 1: Ich nehme Bezug auf meinen Brief und begrüße sie mit »Hallo, Unbekannte.«

Möglichkeit 2: Ich spreche sie direkt mit ihrem Namen an, da ich mir sicher bin, dass Sie mich dann auch mit meinem Namen anspricht (persönlicher).

Gut, jedoch ist die Nennung des Namens in jedem Fall vorzuziehen, da es gleich eine Verbundenheit herstellt! 3,5/4

2. Wie handeln Sie bei unangenehmen Schweigen? Gehen Sie auch auf mögliche Konsequenzen ein. Bleiben Sie optimistisch.

Ich bringe das Thema Unangenehmes Schweigen direkt zur Sprache, z.B. indem ich die Person frage, ob sie das Schweigen gerade als unangenehm empfindet oder ob sie so ein Schweigen ab und zu begrüßt.

Nicht sehr kreativ, dafür aber fürsorglich, gut. 4/4

3. Arbeiten Sie mindestens fünf Vorschläge für Unternehmungen aus. Vor- und Nachteile nennen.

Vorschlag 1: »Ich bin Fan von Spaziergängen. Wollen wir einen machen?« Das Ganze wird dann in einen Park gelenkt, wo man sich auf die Wiese setzen und sich unterhalten kann. ✓ 1/1 Vorteile: ständig neue Umgebung, somit viele Leute (viele spontane Witze möglich) kann auch schief gehen; es kann sich immer noch was anderes ergeben; man kann sich gut unterhalten ✓ Nachteile? 0,5/1

Vorschlag 2: Der Klassiker Kaffee trinken: Da wir uns ohne direkten Plan, wo wir eigentlich hingehen, treffen, kann man sicher leicht ein geeignetes Etablissement erblicken und sagen »Lass uns doch da reinsetzen.« ✓ 1/1 Vorteile: man kann sich gut unterhalten. Nachteile: essen/trinken kann unattraktiv aussehen f  Wie essen/trinken Sie denn, dass Sie das befürchten müssen? 0,5/1

Vorschlag 3: Für den Fall, dass sie etwas »ausgeflippt« ist, etwas ungewöhnliches wie Picknick. ✓ In den Park gehen oder Nahrung konsumieren halten Sie für normal, beides zusammen aber nicht? Vorteile: romantisch ; gute Atmosphäre zu sprechen Nachteile: essen/trinken unattraktiv f; wetterabhängig ✓ V1 aber auch, 1/1

V4 + V5? 0/2, zus. 5/10

4. Sie sitzen im Café mit der Person, es dämmert, Sie haben bestellt und unterhalten sich. Die Person sagt, eigentlich hält sie nichts von dieser Art Kontaktaufnahme. Was tun Sie?

Ich sage »›Eigentlich‹ bedeutet, dass es vielleicht ein ›aber‹ gibt.« oder »Dann freut es mich, dass wir uns schließlich doch getroffen haben.« (kommt auf die Person und den Verlauf des Gesprächs an)

Gute Ideen, jedoch zu kurz skizziert. Besser: Gegenfrage ›Warum sie dann doch geantwortet hat.‹ 2/4

insg. 14,5/22 3+
Gut gemacht, nächstes Mal nur etwas schneller!

Meine bescheidenen, zumeinst auto-didaktisch angeeigneten Date-Kenntnisse reichten also für ein solides Befriedigend. Die Note, die ich aber für das tatsächliche Treffen verdient hätte … nun ja … ich glaube, dass kein Test mich darauf hätte vorbereiten können. Ein paar Kenntnisse über die Feldzüge eines geschlagenen Generals mit in die Schlacht zu nehmen (nichts für ungut, Chris) war sicher immer noch besser als nichts, aber welche Fragen würde wohl eine Frau in einem solchen Test stellen? Vielleicht ließe sich ja tatsächlich eine hilfreiche Vorbereitung bewerkstelligen. Es wäre schön, wenn man keine Angst mehr vor einem aufregenden Date haben bräuchte, wenn man vorher fleißig gelernt hat …

Oktober 16, 2011 at 18:05 4 Kommentare

Letztens …

unternahm ich einen Ausflug in ein clubähnliches Etablissement. Ich war eines Konzerts wegen dort, bemerkte aber die Möglichkeiten, die sich mir (nicht) darböten, wenn ich auf der Suche nach einer potentiellen Partnerin gewesen wäre. Ein bisschen erinnerte mich meine Situation an das Trauerspiel – nein, die Saison von Trauerspielen – vor ein paar Jahren als noch ungebundenes Individuum. Denn da ich die Veranstaltung ohne jegliche Begleitung besuchte, konnte man leicht den Eindruck von einem einsamen Jungen gewinnen, der entweder Anschluss oder einfach nur ein gesonnenes Weibchen sucht. Und ich konnte erfahren, wie es um mich bestellt wäre, wenn dieser Eindruck gestimmt hätte. Um es kurz zu fassen: Nicht gut. Schon vor dem Konzert bekam ich eine Gelegenheit, meine sozialen Skills zu testen, als sich ein weibliches Subjekt neben mich auf den Bordstein setzte und fragte, wo man denn etwas zu Rauchen bekäme. »Rauch doch Deine Arschhaare.«, hätte ich am liebsten erwidert, blieb aber höflich bis sie endlich verschwand. Angewidert war ich wieder relativ froh über mein Alleinsein an jenem Abend. Doch die (vermutlich bemitleidenden) Blicke mancher durchaus ansehnlich proportionierter Frauen ließen in mir die Frage aufkommen, was ich wohl tun könnte; was ich wohl tun würde, wenn ich auf der Suche wäre. Ich denke, ich kann mich glücklich schätzen, mich im Balzen nicht mehr erproben zu müssen, denn das Ergebnis sähe sicher genauso traurig aus wie einst. Gut, ich zähle mich auch nicht zu der Gattung Mensch, deren Fauna in der Brunftzeit aus Clubs und Discotheken besteht, trotzdem verspüre ich eine gewisse Ernüchterung, wenn ich dort weniger Erfolg habe als zum Beispiel folgende Personen:

Immerhin gab es während des Konzerts auffallend viel Reibung mit einer Anhängerin des weiblichen Geschlechts, was aufgrund der Menschenmenge zwar kaum zu vermeiden war, mir aber manchmal unnötig erschien. Wenn das ein Annäherungsversuch gewesen sein sollte, so erlosch er mit dem Aufleuchten der Scheinwerfer und des Ekels, den mein Gesicht nun preisgab. Obwohl ich sagen muss, dass ich den Schweiß fremder Frauen dem Schweiß fremder Männer vorziehe. Lieber würde ich ersteren trinken als mich mit letzterem einzureiben.

Nach dem Konzert rundete ein letztes erwähnenswertes Ereignis den Abend passend ab: Während meines nächtlichen Spaziergangs zum Bahnhof lief nicht weit vor mir ein junges Pärchen. Als die beiden sich umdrehten und mich erblickten, zögerten sie einen Moment ehe sie fluchtartig vor mir davonrannten. Das Mädchen schrie sogar. Meine soziale Kompetenz scheint sogar noch die folgender ›Personen‹ zu unterbieten:

Ich bin froh, dass ich mir diesen ganzen Zirkus nicht mehr zumuten muss; mir das Theater sparen kann. Trotzdem war es ein sehr aufschlussreiches Erlebnis. Es war fast so, als würde ich ein altes Schlachtfeld betreten, auf dem ich einst gefallen war. Insofern wünsche ich Audrey mehr Glück, was das angeht. Gute Jagd!

Oktober 9, 2011 at 18:30 2 Kommentare

Zerflirtet: Der Märchenbrunnen

Man bringt seinen Spruch, fängt sich seinen Korb und geht nach Hause. Ganz kurz und schmerzlos und auch gut. Was aber, wenn man noch länger barfuß auf den gesalzenen Scherben einer unerwiderten Liebesbesessenheit herumspaziert? Zerflirtet dokumentiert eben jene Kunst des Hinauszögerns von Pein.

Für folgende Episode dienten mir Geplänkel wie das mit dem Kinomädchen lediglich als Übung. Ähnlich wie die Atomwaffentests im Bikini-Atoll waren meine bisherigen Scharmützel Trainingseinheiten für den Ernstfall. Jener Ernstfall war ein junges türkisches Mädchen, dass ich während einer Veranstaltung von Absolventen meiner damaligen Berufsschule erblickte. Ich glaube mich zu erinnern, dass ich erst auf sie aufmerksam wurde, nachdem ihr Sirenengesang aufgrund eines banalen Smalltalks durch mein Gehör heulte. Mein Gehirn musste wohl offenbar erst visuelle und akustische Reize miteinander verrechnen, um zu der Schlussfolgerung zu gelangen, dass ich es mit einem mehr als adäquaten Subjekt der Begierde zu tun hatte. Der von da an gedeiende Augenkontakt verlor sich allerdings in meiner Feigheit, direkt auf sie zuzugehen. Und so endete der Tag und die empfundene Enttäuschung war eine gerechte Strafe für mein unentschuldbares Nichtstun.

Im Nachhinein wäre ich dankbar gewesen, wenn es dabei geblieben wäre, doch leider/glücklicherweise erblickte ich sie einige Tage später auf dem Gelände meiner Berufsschule. Das erklärte ihre Präsenz auf jener Veranstaltung, auf der ich sie sah. Sie schien neu an der Schule zu sein, denn ich hatte sie dort nie zuvor gesehen. Am liebsten wäre ich aus purer Freude, sie überhaupt wiedersehen zu dürfen, direkt auf sie zugegangen. Aber da mir eine Menge von dem fehlte, was man im Volksmund »Eier« nennt, beschränkten wir uns die kommenden Tage aufs Lächeln und Anschauen. Das allein ist schon sehr schön gewesen, aber wie das nunmal so ist, kann man es nicht dabei belassen und muss einen Schritt weiter gehen. Und so kam es, dass ich sie eines sonnigen Tages in einem Park an einem sagenunumwobenen Brunnen ansprach und wir uns vornahmen, uns zu treffen.

Dieses Treffen war scheiße. Denn was ich schon oft genug gehört hatte, aber in diesem Fall nun wirklich nicht zu hören erwartet hatte, war, dass sie doch tatsächlich einen Freund hatte. Einen schmierigen Kerl aus dem Kosovo, den sie a) in einem Chat kennengelernt und b) noch nie im Leben gesehen hatte. Ha. Was ist nun schlimmer: Belogen zu werden, weil man offenbar nicht gut genug ist (was ich ihr ob meines Zivilooks mit erschütternder Frisur und blamabler Garderobe nicht wirklich verübeln konnte) oder gegen einen Gegner abzustinken, der unterlegener nicht sein könnte? Was auch immer davon zutraf, ich beschloss, es weiter bei Ihr zu versuchen und meinen bereits toten Stolz auszuweiden. Meist sezierte ich den Torso meiner übriggebliebenen Würde mittels kleiner Spaziergänge, die ich mit meiner Angebetenen während der Mittagspausen unternahm. In den Gesprächen mit ihr war ich natürlich stets der Hoffnung, von einer Trennung von ihrem Traumprinzen aus dem Balkanparadies zu erfahren. Doch die Cyberlove sollte länger währen als mein Trachten danach, sie auszulöschen oder im schlimmsten Falle zu überdauern. Schließlich sah ich sie mit anderen Typen turteln, wo ich mich − gleich nach der unangefochtenenen Nummer Eins aus dem Südosten Europas − doch immerhin auf einem soliden zweiten Platz auf ihrer Liste wähnte. Also begann ich im Laufe der Monate, eine gesunde Abneigung gegen mein Herzblatt zu entwickeln, was dazu führte, dass die Bekanntschaft zwischen uns immer mehr abkühlte. Es sollte schließlich ein gutes Jahr vergehen, bis ich mit dem Ende meiner dortigen Ausbildung endlich die Möglichkeit bekam, sie nicht mehr wiederzusehen …

[MIRAGE FIVE]

Juli 30, 2011 at 17:53 3 Kommentare

Der Nachteil vom Glücklichsein

Alle, die es interessiert, sollen wissen, dass dieser Blog noch lange nicht tot ist. Es mag schon über ein Jahr seit dem letzten Eintrag vergangen sein, aber das liegt nicht etwa an fehlendem Interesse seitens der Blogautoren, ein verkümmertes erfolgsdurstiges Liebesleben und dessen frauenleeren Inhalt der Öffentlichkeit kund zu tun, sondern eher am sich bewährenden Erfolg gewisser „Interessengemeinschaften“ zwischen dem Schreibern und derem jeweiligen Subjekt der Begierde. Um es einfacher auszudrücken: Eine gesunde Beziehung ist der absolute Killer für diesen Blog. Was eigentlich gut ist, ist dabei, diesem Sammelsorium trauriger Erfahrungen das Interesse seiner einstigen Leserschaft zu entziehen und wenn ich den Blog-Statistiken Glauben schenken darf, hat es das bereits getan. Aber was bleibt zu berichten aus einem Garten, in dem die Früchte des Flirtens verboten sind? Verflirtet steht schließlich nicht im Zeichen von Verfremdflirtet und das Liebesleben der Autoren ebensowenig. Deshalb verbleibe ich in der Hoffnung, auf diesem Blog eines Tages wieder einen Beitrag zu lesen, der die trostlose Unfähigkeit zum Flirten und das niederschmetternde Ergebnis dilettantischem Balzverhaltens zum Besten gibt. Natürlich verknüpfe ich damit außerdem die Hoffnung, dass jener Beitrag nicht von mir stammen wird …

März 8, 2010 at 23:26 6 Kommentare

Ein Grund, aber kein Hindernis

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Was bisher geschah …

Manchmal scheint ein Mädchen […] seltsam interessant zu sein … sie fuhr mit ihrem Fahrrad an uns vorbei […] doch sie fuhr nicht schnell genug … zwei postpubbertierende Spinner […] laufen nachts einem unschuldigen Mädchen […] hinterher … wie hätte es anders sein können, dass sie bereits einen Freund hat … sie war einem Treffen nicht gerade abgeneigt … doch was macht der größte Vollidiot auf diesem Planeten … er sieht zu, wie die Schöne in der Dunkelheit der Nacht verschwindet …

Und nun die Fortsetzung …

Noch am gleichen Abend verdammte ich mich für die verpasste Gelegenheit. Ich hatte ein Treffen mit ihr bereits sicher und schmiss das einfach weg! Vielleicht aber konnte ich diesen Fehler rückgängig machen; ihn aus dem Universum radieren. Also überlegte ich erstmal, was ich alles über sie wusste. Im folgenden eine ausführliche, allumfassende Liste sämtlicher Informationen, die mir dabei helfen konnten, sie wiederzusehen:

1. —

Nagut, das ist nicht ganz wahr. Einen Hinweis gab es: Sie ging vermutlich gern in die Cinemathek! Und womöglich würde sie auch beim nächsten Mal wieder dort sein. Besser als nichts, dachte ich und saß eine Woche später zusammen mit Wrong auf einer Bank, von der aus wir den gesamten Eingangsbereich des Kinos im Blick hatten. Sie konnte uns gar nicht entkommen – vorrausgesetzt die Rechnung ging auf und sie würde da sein.

Und das war sie.

Nachdem die Vorstellung zuende war und die Leute nach draußen stürmten, sah ich sie mit männlicher (!) Begleitung vor dem Kino stehen (Flashback: … es stellte sich heraus, dass sie bereits einen Freund hat …). Ich musste schnell handeln, wenn ich sie nicht wieder verlieren wollte. Also ging ich auf sie zu und sprach sie an. Ich heuchelte Interesse an einem rein freundschaftlichen Treffen und verleugnete damit die Wahrheit meiner Existenz. Egal. Denn sie sagte »ja«. Mal wieder. »Lass uns irgendwo ein Bierchen trinken gehen.«, schlug sie vor und führte mir den ersten großen Unterschied zwischen uns vor Augen. Es sollte nicht der letzte sein …
Also ließ sie ihren Freund stehen und zog mit mir los! (Objektiv gesehen, finde ich, dass ihr Freund mir eins in die Fresse hätte geben sollen.) In einem Strandcafé zog ich mir nach anfänglichem Kennenlerngewäsch Anekdoten über ihr Jurastudium und ihre Vorliebe für Salsatänze in Chile rein, während ich versuchte, nicht an ihre gebärfreudige Hüfte zu denken. Immer mehr Details ließen mich in ihr einen Menschen erkennen, der nicht das geringste mit mir gemeinsam hatte. Aber sie sah nunmal toll aus und so lauschte ich weiter ihren Phrasen über ihr Leben mit ihrem Freund, ihrem Studium und ihren bescheuerten Salsatänzen … Dummerweise trug ich in der immer kälter werdenden Nacht nur ein T-Shirt und so sank meine Körpertemperatur allmählich auf ein kritisches Niveau. Das Zittern unterdrückte ich circa zwei Stunden lang, ehe das „freundschaftliche Treffen“ beendet war. Ich schlug ihr vor, dass wir uns demnächst gemeinsam einen Film in der Cinemathek anschauen könnten, beging aber einen klassischen und fatalen Fehler: Anstatt mir ihre Telefonnummer geben zu lassen, gab ich ihr die meine. Dass ich nie wieder was von ihr hörte, sollte niemanden verwundern …

Ach ja … fast hätte ich’s vergessen: Zu dieser Zeit fuhren keine Züge mehr und ich musste mitten in der Nacht zwanzig Kilometer durch den Wald laufen, um nach Hause zu kommen.  Hatte ich erwähnt, dass ich zu diesem Zeitpunkt bereits seit Stunden fror? Egal.

[MIRAGE TWO]

Januar 30, 2009 at 20:21 6 Kommentare

Das Kino-Mädchen

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„Cinemathek“ bezeichnet eine Reihe ausgewählter anspruchsvoller Filme im Kino der Oderstadt Frankfurt. Naja, zumindest anspruchsvoller als das, was man unter dem Begriff „Popcornkino“ versteht. Ich persönlich verbinde seit einiger Zeit „Cinemathek“ mit anspruchsvollen Filmen aber auch anspruchsvollen Mädchen. Zu meiner Begriffsdefinition jenes Wortes gesellen sich außerdem die Eigenschaften „attraktiv“, „brünett“ und „natürlich“. Ich weiß gar nicht mehr, welchen Film ich da gesehen habe, aber ich weiß, dass ich ihn mit Mr. Wrong gesehen habe. Naja, ein schönes Mädchen zu erblicken passiert sicher nicht so selten, wie irgendwo Plutonium zu entdecken. Aber manchmal scheint ein Mädchen irgendwie .. na sagen wir … seltsam interessant zu sein. Ein Satz, der wager nicht sein könnte, ich weiß. Soll das jeder so interpretieren, wie er will. Zumindest hat man zwei Möglichkeiten. Entweder anschauen und losgehen. Oder ansprechen und mit ihr zusammen losgehen. Ich wählte Option #1. Schade.

Wrong durch die kalte, schwarze Nacht bis nach Hause zu begleiten hatte ja auch was. Man spekulierte, wie es wohl in alternativen Universen aussah. In Universen, wo ich mit der Schönen ins Gespräch gekommen wäre; anstelle von Wrong sie nach Hause begleitet hätte. Stattdessen … ach was. Vom Stattdessen zu schwafeln, interessiert keine Sau. Viel interessanter ist, wie die Geschichte weitergeht: Auf unserem Nachhauseweg fuhr sie mit ihrem Fahrrad an uns vorbei. Das war vielleicht kein großer Zufall, so klein wie diese Stadt ist, aber zumindest war es ein Zufall. Diesen Zufall auszunutzen fällt einem natürlich nicht innerhalb einer halben Sekunde ein, die sie an einem vorbeifährt. Doch sie fuhr nicht schnell genug, um die Flinte schon ins Korn zu werfen. An dieser Stelle entschuldige ich mich für dieses alberne Sprichwort, doch es passt einfach zu gut. Was machen also zwei postpubbertierende Spinner, die Unmengen von Star Trek Fanartikeln bei sich zuhause haben? Richtig. Sie laufen nachts einem unschuldigen Mädchen eiligen Schrittes hinterher. Nur peinlich oder schon krank? Urteilt selbst.

Wie es nunmal so ist, ist man mit einem Fahrrad ungemein schneller als zu Fuß. Wrong und ich waren am Ende. Eigentlich war ich froh, am Ende zu sein. Ich heuchelte damit Machtlosigkeit; ich war also nicht mehr im Stande, die Schöne einzuholen und zu überfall.. äh .. anzusprechen. Ich musste aufgeben. Tja. Halb enttäuscht, halb froh über das Ende dieser buchstäblichen „Jagd“ (Oh mein Gott!), musste ich zusehen, wie Wrong nicht so sehr am Ende war wie ich. Er schaffte es tatsächlich, sie zum Anhalten zu bewegen! Und so verdankte ich ihm ein Gespräch, in dessen Verlauf sich herrausstellen sollte, dass sie bereits … na? Man ahnt es schon, oder? … dass sie bereits einen Freund hat. Wie hätte es anders sein können … Zu meiner Verwunderung war sie einem Treffen nicht gerade abgeneigt. Zwar nur freundschaftlich, aber immerhin ein Treffen. Doch was macht der größte Vollidiot auf diesem Planeten? Was macht der größte Trottel, den man sich vorstellen kann? Genau: Er sagt ihr, dass das keine so gute Idee wäre! Er spielt den heiligen Moralapostel und lehnt ab. Und dann sieht er zu, wie die Schöne in der Dunkelheit der Nacht verschwindet. Menschen, die so dumm sind, sollten nicht weiterleben dürfen! Das ist ein Zitat. Und ich kann noch jemanden zitieren. Eine Person, die ich damals leider noch nicht kannte und die sagte: „Ein Grund, aber kein Hindernis.“

Ich musste sie unbedingt wieder sehen. Und das tat ich auch. Unter welch waghalsigen Umständen, das erfahrt Ihr im nächsten Jahr …

to be continued

[MIRAGE TWO]

Dezember 31, 2008 at 22:23 15 Kommentare

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