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Der Schwarze Ritter Kehrt Zurück

Der Schwarze Ritter Kehrt Zurück

Ich betrete den Vorlesungssaal durch den vorderen Eingang und lasse den  Blick durch die versammelte Studentenschaft schweifen. Wie so oft komme ich erst ganz knapp vor Vorlesungsbeginn an – sonst meist ganz knapp danach – und der Saal scheint schon voll zu sein. Meist gibt es aber noch einige freie Plätze in den Mitten der Sitzreihen, versperrt durch bloß eine Handvoll Studenten, sesshaft an den Rändern der Reihen. Die ersten beginnen schon, es sich auf dem Boden und den Fensterbänken gemütlich zu machen. Ich lasse meinen Blick also schweifen, denn ich will einen richtigen Sitzplatz. Dabei fällt mir mal wieder auf, wie viele Frauen doch hier eigentlich sind. Philosophie ist schon was anderes als Physik. Gewiss sind keine Supermodels im Raum, aber ein paar hübsche Kommilitoninnen hab ich schon. „Dort!“, schießt es mir knapp durch den Kopf. Mittig in der vierten Reihe von Vorne sind noch einige Plätze frei. Bloß versperrt vom diesem alten Mann, der da immer sitzt, und einem weiteren gleichaltrigen Kommilitonen. Zielstrebig gehe ich zur Fensterseite des Raums und bitte die beiden, mich durchzulassen. Der alte steht auf und der junge rückt sogar gleich durch. Gut! So macht er’s den anderen Nachzüglern weniger schwer und ich tu’s ihm daher gleich. Ich ziehe meinen Mantel aus und lege ihn auf den Platz zu meiner Linken. Meinen Rucksack verstaue ich unterm Sitz, ohne etwas rauszuholen, denn Mitschreiben ist hier nicht notwendig. Aufmerksames Zuhören genügt. Professor Langdon – so heißt er nicht wirklich, ich nenne ihn innerlich nur so, da er irgendwie Tom Hanks in The Da Vinci Code ähnelt – verteilt vor jeder Vorlesung sein Skript.

Ich nehme kurz meine Brille ab und lege mein Gesicht in meine Hände um meine brennenden Augen zu massieren. Ich bin müde, denn Gestern war’s ein langer Abend im Sage.  Dort war ich mit Sandra, Daniel und der anderen Sandra verabredet. Als ich ankam, waren die drei schon etwa eine Stunde vor Ort und mit einer Gruppe Abiturientinnen ins Gespräch gekommen. Der einen davon stellte ich mich beim Begrüßen meiner Freunde vor. Aber sie war zu jung, um von besonderem Interesse zu sein. Den restlichen Abend über schenkte ich den anderen Clubgästen wenig Beachtung, denn ich genoss es, unter meinen Freunden zu sein und mit Sandra zu schäkern.

Das brennende Gefühl in meinen Augen legt sich etwas und ich setze mir wieder meine Brille auf. Und dann trifft es mich wie ein Schlag. PAU – mitten ins Selbstvertrauen. Mein Ego geht zu Boden. Sie ist groß und schlank und kommt meine Sitzreihe entlang auf mich zu. Die Raumzeit selbst muss einen kleinen Aussetzer haben, denn alles scheint so verlangsamt, dass ich die Flügelschläge eines eiligen Kolibris zählen könnte. Also sie hat schulterlanges Haar, mittelgroße Brüste, die sich sexy unter ihrem roten Top abzeichnen, und setzt sich auf einen Platz zu meiner Linken. Sie ist die Art Frau, die es versteht dich allein durch ihre Ausstrahlung wehrlos zu machen. Ich fange an mein Selbstvertrauen auszuzählen: EINSZWEI… Ihr Gesicht scheint makellos glatt und sie hat große Augen …DREI… Sie sind so strahlend weiß, …VIER… dass man damit einen kleinen Raum beleuchten könnte. …FÜNF es öffnet die Augen… Ihr Makeup ist dezent und betont geschickt ihre Vorzüge. …SECHS es bewegt sich… Kurzum: Sie scheint eine großartige Frau zu sein. …SIEBEN – es versucht sich aufzurappelnACHTNEUN – es steht tatsächlich noch auf. Aber es reicht trotzdem. Ich gönne es mir noch eine zehntel Sekunde lang, sie anzuschauen. Dann wende ich mich ab. Noch einmal denke ich an gestern Abend zurück, wie Sandra meinte, dass ich mich in den letzten sechs Monaten verändert hätte. Ich sei selbstbewusster geworden. Das ist wahr. Auch bin ich stärker geworden, wie Sandra eingestehen musste, als ich sie unvermittelt hoch hob. Ich habe hart trainiert. Und ich bin noch lang nicht am Ende.

Professor Langdon betritt den Saal. Die Vorlesung beginnt.

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Februar 26, 2009 at 19:53 9 Kommentare

Verendet

Es wird Zeit den Laden dicht zu machen.

Wir haben mit Verflirtet vor einem gutem Jahr angefangen und hatten unsere schönen Momente. Es gab einige gute Beiträge und damit sind wir auch unserem Anspruch gerecht geworden: Gute Arbeit zu machen.
Allerdings habe ich mit der Zeit aufgehört, mich mit dem Konzept von Verflirtet zu identifizieren. Damit sank auch die Motivation neue Beiträge zu schreiben. Und hier ist nun der Punkt gekommen, an dem es Zeit wird, verflirtet endlich in den Ruhestand zu schicken.

Ich möchte also meinen Mitautoren Stefan, Ihno und Michael sowie jedem, der mehr als zwei mal hier war danken: Danke!

Abschließend bleibt mir nur noch zu sagen: Lest nicht so viele Blogs. Vertut Eure Zeit allgemein nicht mit dem Internet.
Lernt lieber eine Fremdsprache oder richtig zu Tanzen, pflanzt einen Baum oder zeugt ein Kind oder hört mit dem Rauchen auf. Euch fällt schon was ein.
Was mich angeht:

Ich geh jetzt raus, die Sonne scheint.

Mai 1, 2008 at 16:00 1 Kommentar

Beischlaf

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Stell dir vor, du hattest ein Date. Nun ist es nachts, du bist bei deinem Date zuhase und ihr kuschelt im Bett.
Könnt Ihr Euch unter diesen Umständen vorstellen keinen Sex mit Eurem Date haben zu wollen?

Ein Freund von mir kann sich das absolut nicht vorstellen, während ich das schon kann. Ich kann es mir sogar vorstellen, mich in der oben beschriebenen Situation zu befinden und dabei zufrieden zu sein.
Mich interessiert, ob Ihr Euch mit diesem Szenario identifizieren könnt? Ich würde mich freuen, wenn Ihr es mir in die Kommentare schreibt.

November 24, 2007 at 22:47 8 Kommentare

Seid fruchtbar und mehret Euch!

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Die gute Inés ist schwanger.
Eigentlich wollte ich schon länger einen kleinen Beitrag dazu schreiben. Aber das wollte mir nicht so recht gelingen. Nun, woran mochte das wohl liegen?
Ich schätze zum einen weil das Thema dieses Blogs eben sein Titel ist. Und was auch immer man sich unter „Verflirtet“ auch vorstellen mag, Kinderbekommen gehört mit Sicherheit nicht dazu. Kinder zu bekommen stelle ich mir viel mehr als das Ende eines langen Weges vor, mit Meilensteinen wie:

  • Jemanden kennenlernen.
  • Gefühle für den anderen Entdecken.
  • Entdecken, dass diese Gefühle erwidert werden.
  • Miteinander eine Beziehung eingehen.
  • Eine Zeit lang glücklich zusammenbleiben.
  • Eine Zeit lang über das Kinderkriegen nachdenken.
  • Sich entscheiden Kinder bekommen zu wollen.

Und der andere Grund, warum es mir schwer fiel, zu diesem Thema etwas zu schreiben ist, dass ich Kinder für eine sehr ernsthafte Sache halte und nicht für etwas worüber man mal eben ein paar Witze reißt.
Kinder bedeuten sehr viel Verantwortung. Wie viel Verantwortung, dass weis Inés bereits jetzt besser als ich es vermutlich jemals wissen werde. Daher wünsche ich Inés viel Erfolg dabei, ab April zwei Leben zu managen.

November 4, 2007 at 12:11 10 Kommentare

Ein unmoralisches Angebot

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Eingehende Nachricht, von: Hedo
20:02 19-Okt-2007

Chris mein Engel, wollen wir am Sonntag zur Venus gehen?
Dein Hedo.

Nachricht senden, an: Hedo
20:04 19-Okt-2007

Mein lieber Hedo,
ich habe so wenig Ambitionen zur Venus zu gehen,

wie jemand der nicht liest, zur Frankfurter Buchmesse.
HDL, Chris.

Oktober 22, 2007 at 21:59 12 Kommentare

Augenblicke

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»Du weißt doch wie es ist, wenn…Ich meine, erinnerst du dich noch, wie es ist, wenn dich jemand anschaut, der ‚was von dir will?«

Eine Freundin heute im Gespräch zu mir.  Ich dankte ihr im Nachhinein dafür, dasss sie ihre Aussage dann doch vorsichtiger als Frage formuliert hatte.

Oktober 19, 2007 at 23:06 10 Kommentare

Verheilt

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Lieber Chris,

deine Operation hast du jetzt gut überstanden. Mach dir keinen Kopf darüber, dass du trotz deines Alters bereits mehrmals operiert werden musstest. Wie du siehst, geht es dir ohne Gallenblase viel besser. Freu dich also lieber darüber, dass es dir schon viel besser geht, nachdem du nun mehrere Wochen lang krank warst.

Und mach dir keinen Kopf darüber, dass du soviele Sachen deswegen vernachlässigt hattest. Sicherlich, es ist viel nachzuholen, aber ich glaube dass du das schaffen wirst, auch wenn es nicht leicht werden sollte.

Konzentrier dich jetzt einfach erstmal darauf ganz gesund zu werden.

Hab dich lieb,
dein Tagebuch!

Oktober 4, 2007 at 20:20 5 Kommentare

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