Letztens …

unternahm ich einen Ausflug in ein clubähnliches Etablissement. Ich war eines Konzerts wegen dort, bemerkte aber die Möglichkeiten, die sich mir (nicht) darböten, wenn ich auf der Suche nach einer potentiellen Partnerin gewesen wäre. Ein bisschen erinnerte mich meine Situation an das Trauerspiel – nein, die Saison von Trauerspielen – vor ein paar Jahren als noch ungebundenes Individuum. Denn da ich die Veranstaltung ohne jegliche Begleitung besuchte, konnte man leicht den Eindruck von einem einsamen Jungen gewinnen, der entweder Anschluss oder einfach nur ein gesonnenes Weibchen sucht. Und ich konnte erfahren, wie es um mich bestellt wäre, wenn dieser Eindruck gestimmt hätte. Um es kurz zu fassen: Nicht gut. Schon vor dem Konzert bekam ich eine Gelegenheit, meine sozialen Skills zu testen, als sich ein weibliches Subjekt neben mich auf den Bordstein setzte und fragte, wo man denn etwas zu Rauchen bekäme. »Rauch doch Deine Arschhaare.«, hätte ich am liebsten erwidert, blieb aber höflich bis sie endlich verschwand. Angewidert war ich wieder relativ froh über mein Alleinsein an jenem Abend. Doch die (vermutlich bemitleidenden) Blicke mancher durchaus ansehnlich proportionierter Frauen ließen in mir die Frage aufkommen, was ich wohl tun könnte; was ich wohl tun würde, wenn ich auf der Suche wäre. Ich denke, ich kann mich glücklich schätzen, mich im Balzen nicht mehr erproben zu müssen, denn das Ergebnis sähe sicher genauso traurig aus wie einst. Gut, ich zähle mich auch nicht zu der Gattung Mensch, deren Fauna in der Brunftzeit aus Clubs und Discotheken besteht, trotzdem verspüre ich eine gewisse Ernüchterung, wenn ich dort weniger Erfolg habe als zum Beispiel folgende Personen:

Immerhin gab es während des Konzerts auffallend viel Reibung mit einer Anhängerin des weiblichen Geschlechts, was aufgrund der Menschenmenge zwar kaum zu vermeiden war, mir aber manchmal unnötig erschien. Wenn das ein Annäherungsversuch gewesen sein sollte, so erlosch er mit dem Aufleuchten der Scheinwerfer und des Ekels, den mein Gesicht nun preisgab. Obwohl ich sagen muss, dass ich den Schweiß fremder Frauen dem Schweiß fremder Männer vorziehe. Lieber würde ich ersteren trinken als mich mit letzterem einzureiben.

Nach dem Konzert rundete ein letztes erwähnenswertes Ereignis den Abend passend ab: Während meines nächtlichen Spaziergangs zum Bahnhof lief nicht weit vor mir ein junges Pärchen. Als die beiden sich umdrehten und mich erblickten, zögerten sie einen Moment ehe sie fluchtartig vor mir davonrannten. Das Mädchen schrie sogar. Meine soziale Kompetenz scheint sogar noch die folgender ›Personen‹ zu unterbieten:

Ich bin froh, dass ich mir diesen ganzen Zirkus nicht mehr zumuten muss; mir das Theater sparen kann. Trotzdem war es ein sehr aufschlussreiches Erlebnis. Es war fast so, als würde ich ein altes Schlachtfeld betreten, auf dem ich einst gefallen war. Insofern wünsche ich Audrey mehr Glück, was das angeht. Gute Jagd!

Advertisements

Oktober 9, 2011 at 18:30 2 Kommentare

was männer wollen

Das Problem ist, wenn man jemanden kennen gelernt hat, nicht zu warten. Ich denke in unserem uni-sexuellem Dateverhalten kennt das mittlerweile jeder. Noch schlimmer wird es, wenn man nicht so recht weiß, wie das jetzt laufen soll. Denn da war was. Man wurde irgendwie abgecheckt und derjenige wich einem mit Blicken aus, sowie man selbst. Obwohl man sich vorher versicherte, man suche erst einmal nichts festes. Man schreibt sich unverbindlich. Und dann nach der zweiten Mail wartet man. Auf eine Antwort.Und dann sagt man sich, dass da nichts ist. Das man nicht warten sollte. Und man geht aus, um seine Gedanken abzulenken. Leider zieht man mit Erwartungen los. Und das ist auch ein Problem.

Die Idee eine Veranstaltung zu besuchen, bei der es Konzerte und Lesungen gab, war spontan und ziemlich interessant. Sehr früh am Abend angekommen, nahmen wir knapp vor der Bühne ein Position zum tanzen ein, um dem Bruder eines Kumpels bei seiner drei Tage alten Band anzufeuern. Und an dieser Stelle sei mal gesagt, dass sie klangen, als spielten sie schon sehr lang zusammen. Es war ziemlich gut. Man tanzte und ließ den Blick schweifen.

Irgendwann dann etwas später, bemalte man sich das Gesicht und die Arme gleich dazu. Die Möglichkeit bestand in Form von Gesichtsmalfarbe, da die Veranstaltung zu eigenständiger Kreativität anregte. Ich bemerkte den Atem eines jungen Mannes hinter mir, der mir schon etwas eher am Abend aufgefallen war. Mein Nacken genoss die kühlende Zuwendung, da es doch sehr warm wurde, auch wenn man sich nur knapp bewegte. Er tanzte verdächtig dicht hinter mir und ich war nicht abgeneigt, ihm meine Aufmerksamkeit zu schenken. So drehte ich mich langsam wie der Sekundenzeiger einer Uhr, um ein miteinander-tanzen zu ermöglichen. Der Erfolg blieb aus. Unsere Wege trennten sich ohne Unterhaltung. Es ist durchaus möglich, dass es daran lag, dass ich ihn nie direkt anschaute, sondern auf ein Gespräch wartete. Was ich auf mein Fehlerkonto gutschreibe.

Müde geworden vom Wunsch mir Aufmerksamkeit verschaffen zu wollen, fiel mir ein Typ ins Auge, welcher mich derart stark an meinen ehemaligen Freund erinnerte, dass ich mich fragen musste, ob das jetzt wirklich nötig sei. Aber die Schlacht hatte bereits begonnen. Zwei Blicke später tanzte er nur drei handbreit neben meiner Bekannten und mir. Sie unterhielt sich mit mir und er sich mit seiner männlichen Begleitung. Diese ermöglichte mir sporadisch in seiner Richtung zu schauen. Zweimal trafen sich unsere Blicke und ein gestikulärer Automatismus zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht. Normalerweise habe ich die Angewohnheit gleich darauf wieder weg zu sehen. Wahrscheinlich aus Angst vor der Reaktion. Aber diesmal blieb mein Blick standhaft. Es lohnte sich, denn er lächelte zurück.

Währenddessen begann meine Bekannte kleine Plastikbälle, welche herum lagen, in der Gegend herum zu schießen. Ich stieg ein und da der hübsche Junge, der mittlerweile direkt neben mir tanzte, tat er es uns gleich. Eine fußballerische Glanzleistung meinerseits, veranlasste ihn, mir dazu zu gratulieren. Gefühlte drei Stunden später, gingen er und seine Begleitung an die Bar. Meine Bekannte folgte Ihnen, ohne Hintergedanken. Er unterhielt sich an der Bar mit ihr und ich nahm meine Ambitionen, ihn kennen lernen zu wollen, tröstend in die Arme und schob sie in die Schachtel der Schande, welche in meiner Tasche auf Nahrung wartete.

Ernüchtert und zu nüchtern, auf eine Eingebung wartend, stand ich auf der Tanzfläche und begann mich mit der Situation abzufinden. Ich ging dann an die Bar und fragte meine Bekannte, warum sie sich nicht länger mit dem hübschen Jungen unterhielt. Sie sagte, dass sie nicht auf Franzosen stehe. Linker Haken in die Magengegend. Franzose. Meine Ambitionen trommelten wild mit den Fäusten gegen die Wände der Schachtel, in der sie gefangen war. Ich ignorierte sie, nachdem mein Stolz mich zur Seite nahm und mir erklärte, dass es nicht gut für das Seelenheil ist, sich zu entscheiden, zweite Wahl sein zu wollen. Ich befand, dass er Recht hat.

Wir gingen zurück zur Tanzfläche, wo auch der Franzose, freudig über unsere – bzw. ihre – Rückkehr wartete. Sie entschuldigte ich, aufgrund einer schwächelnden Blase und ich stand nur verlassen und etwas beschämt neben ihm. Sein Freund schoss mir einen Ball zu, welchen ich bravurös touchierte. Beide applaudierten, ich riss die Arme in die Höhe. Die Musik begann sich zu ändern. In ein langsames Dubstepdrama. Auf einmal zögerten beide, als sie sich entschlossen, die Szene zu verlassen. Sie wirkten wie zwei rohe Eier ohne Halt auf einem Schiff mit hohem Seegang. Der Franzose steuerte auf mich zu und erkundigte sich, ob ich Dub mochte und teilte mir gleichzeitig mit, dass ihm das zu langsam sei und er lieber auf den anderen Floor wollte. Er schaute mich irgendwie erwartend an. Ich sagte ihm, dass es dort wohl besser sei und deutete an mit zu gehen. Sein Kollege lächelte, was mir quasi die Wahrheit ins Gesicht prügelte. Dieser war es vermutlich, der die Annäherungsversuche verursachte. Leider war er nicht annähernd so attraktiv. Ich ging trotzdem mit. Ich wollte keine Spielverderberin sein.

Angekommen unterhielten wir uns noch eine Weile und ich erfuhr, dass sein Kumpane, kein Wort deutsch spricht und er nur zu Besuch sei. Er hingegen arbeite seit Januar hier. Er sprach gut deutsch – mit einem wirklich unglaublich süßen Akzent – und ich bemerkte dies und bedeutet ihm meine Bewunderung. Die Unterhaltung floss uns unter den Füßen hinfort, wie ein kaputtes Herbstblatt in einem dreckigen Rinnsal die Straße hinunter.

Zwischenzeitlich sah ich den Jungen, welcher mir zuvor den Nacken mit seinem Atem bestäubte. Er stand an der Bar und spielte leidenschaftlich Zunge-versenken mit einem stark angetrunkenem Mädchen. Ist das was Männer wollen? Wenn sie unterwegs sind, meine ich. Ich schätze schon. Aber nüchtern kann man nur schwer auf solche Sachen eingehen. Um ehrlich zu sein, kommt es mir immer zugute, nicht zu trinken. Es hat viele Vorteile. Du hast keinen Kater, du siehst auch nach acht Stunden tanzen relativ frisch aus und du machst nichts, was dir am nächsten Tag eventuell peinlich sein könnte. Und wenn doch, hast du das in vollem Bewusstsein getan und trägst die Konsequenzen mit Würde. Doch wenn es darum geht, sich gehen zu lassen, nicht darüber nachzudenken und das alles zu genießen, ist nicht zu trinken absolut unförderlich.

Ich ging heim und öffnete die Schachtel der Schande einen Spalt weit. Ich sagte meiner Ambition, dass sie etwas ausharren soll, bis ich eine Lösung für das Problem gefunden hätte. Sie sah mich an, nickte verständnisvoll und legte sich dann schlafen. Denn sie war mittlerweile so müde wie ich.

Oktober 8, 2011 at 16:25 5 Kommentare

leon – der mediziner

Es begab sich vor einer Woche, dass ich Leon kennen lernte. Wir warteten separat vor dem Studentenwohnheim unserer Uni, um unsere Schützlinge unter zu bringen, die neu dort sind. Auf einmal stand er neben Anna und mir und wir unterhielten uns. Auf meinen Wunsch an Anna hin, boten wir ihm an, ihn im Auto mit zum Campus zu nehmen. Er kam mit und es stellte sich heraus, dass er dort gar nicht hin musste. Nach erledigter Arbeit, verabschiedeten wir uns freundlich und machten eine lockere Verabredung für die Erstsemesterparty aus. Wir erfuhren seinen Namen nicht, also tauften wir ihn Leon – was sich später als äußerst guter Gesprächseinstieg erwies.

Besagte Woche später, machten Anna und ich mich auf zum allgemeinen Besäufnis der Studenten. Auf dem weg zum Bus, ging mir durch den Kopf, dass ich Leon wiedersehen könnte. Die Nachtschwärze begann zu wachsen und meine Freude über den Aspekt des Wiedersehens mit. Und dann stand er da. Vollgepackt und erkannte uns sofort wieder. Er sagte zu, vor neun an der Bar zu sein, da wir im Dienst der sozialen Einbindung dort unseren Pflicht antraten. Und wie sollte es anders sein, tauchte er natürlich nicht auf. Aber das störte wenig, da ich nach der vorlesungsfreien Zeit viele bekannte Seelen auf Aktualität überprüfte. Ich ging zum Eingang der Lokalität – wir hielten uns nach getaner Arbeit meist im Freien auf – und schaute zu Boden als mich auf einmal jemand an der Schulter berührte. Leon. Du hier. Wir unterhielten uns schmal und er lud mich in die Wärme ein. Dann redete er erst mit einem Mädchen, dann noch mit einem anderen und als mir schlussendlich die Unverbindlichkeit seiner Einladung bewusst wurde, steuerte ich lieber erneut bekannte Gesichter an.

Im Laufe des Abends steuerte er immer wieder zielstrebig auf mich zu, sobald er die Merkmale meines Gesichts einordnen konnte. Ich legte die Angewohnheit ab, ständig auf den Boden zu schauen, sobald wir uns unterhielten. Anna erzählte ihm, dass wir ihn Leon tauften und er war nicht abgeneigt diesen Namen anzunehmen. Für diesen einen Abend. Zum neuen Namen legte er sich auch gleich eine neue Identität zu. Die Wahl fiel zugunsten der Medizin. Er erklärte mir, er sei sprunghaft, was er an diesem Abend mehrmals unter Beweis stellte. Er kam, plauschte, ging. Aber nie ohne sich abzusichern, dass wir noch blieben. Nein das bedeutete nichts, da er dies bei jedem machte, wie mir später auffiel.

Anna verschwand irgendwann im Kreis unserer Kommilitonen und ich war mit Leon allein. Was nicht wirklich zutraf, da er immer wieder verschwand. Zu meinem Erstaunen störte es mich nur geringfügig. Ich war so frei ihm etwas von der Bar mitzubringen, da er Anna zuvor mit einer Gerstenkaltschale beköstigte. Als ich das Bier durch die Reihen chauffierte, blieb ich neben ihm stehen, hatte aber keine Lust seine Aufmerksamkeit zu erwecken, da ich die musikalische Atmosphäre in dem Moment sehr fesselnd fand. Im gleichen Atemzug des Innehalten prostete mir ein junger Mann seitwärts zu und lächelte bestimmt. Ich gab das Bier ab und lächelte zurück. Leon sprang wieder auf seinen Zug der Unruhe – nicht ohne Bescheid zu geben – und der junge Mann, fragte mich was ich studiere. Auf derart Feierlichkeiten immer eine gute Einleitung. Wir verstanden uns auf Anhieb und er war schockiert von dem Aspekt, mich auf dem Campus noch nie gesehen zu haben. Es mischte sich ein stark alkoholisierter Typ ein, dessen Fragen ich nicht einmal annähernd wiedergeben kann, da er sie unverständlich formulierte. Unverständlich im Sinne von „war das jetzt ein Substantiv oder nur ein lückenfüllendes Brummen?“ Er wandte sich an meinen Gesprächspartner und dessen Blick verfinsterte sich bei den wechselnden Worten. Ich wollte es nicht zu einem Streit kommen lassen und lud ihn auf eine Zigarette vor die Tür ein. Dort traf er ein paar seiner Kollegen und spaßeshalber unterrichtete ich die wenigen mir bekannten Sätze auf tschechisch, da wir auf das Thema meines Praktikums kamen. Ich sagte ihnen was sie sagen müssten, wenn sie in Tschechien auf ein schönes Mädchen trafen und ihr das sagen wollten. Er fragte mich noch einmal, wiederholte meinen Satz und fügte an „Und das mein ich so“. Wie in einer Kurzschlussreaktion bedankte ich mich dünn, überwältigt von solch einem Kompliment in diesen frühen Morgenstunden.

Und da stand er dann auf einmal wieder neben mir. Er legte den Arm um mich und nach einem kurzen Machtkampf zwischen den Parteien, zog er mich wieder in die Wärme. Er amüsierte sich darüber, einem Typen soeben das Mädchen vor der Nase abgeschleppt zu haben. Er begann mit körperlichen Zuwendungen und ich müsste lügen, wenn ich sage, dass ich es nicht genossen hätte, als er hinter mir stand, sein Gesicht in meinem Haar bettend, meine Arme behutsam streichend. Als hätte die Situation einen Magnetismus frei gesetzt, wich er mir nicht mehr von der Seite. Wir redeten eng nebeneinander sitzend über alles mögliche. Es gab mehr als eine Möglichkeit des ersten Kusses, dennoch ging dieser nicht in eine Handlung über. Im Nachhinein betrachtet vielleicht nicht verkehrt, da ich ja keine sechzehn mehr bin und solche Sachen mittlerweile irgendwie die Neigung haben in schwierigen emotionalen Auseinandersetzungen, mit sich selbst oder mit dem Gegenüber, zu enden.

Irgendwann fand ich Anna wieder. Ihre Anwesenheit entspannte mich, da ich mir nebenbei Sorgen darüber machte, wo sie geblieben sein könnte. Da Leon irgendwann alle anderen Aufmerksamkeitswünsche von ihm bekannten Damen ignorierte, mit der Begründung wir müssten jetzt erst einmal dies und jenes machen, war ich Anna sehr dankbar als sie sich verabschiedete und sich mit mir am Zug verabredete. In einem Gespräch erklärte er mir, er hätte seit diesem Abend wieder große Sehnsucht nach irgendeiner Art von Beziehung. Nicht wissend, wie ich diese Nachricht zu deuten hatten, schlug ich ihm vor, mich für ihn umzusehen und er solle einen Ton von sich geben, wenn ihm eine gefiel. Kurz darauf, verlassen von jedwedem Wesen, gab er diesen Ton von sich. Ich war irritiert. Er bot mir diesen Dienst ebenso an und so kam es, dass ich ihm eingestehen musste, dass er mir schon sehr gefiel – und glaubt mir, kurz nachdem ich das sagte, wäre ich am liebsten im siebten Kreis der Hölle verschwunden. Dennoch händelte ich die Situation sehr souverän, als gehörten solcherlei Aussagen zu meinem Alltagsrepertoire an Komplimenten.

Nach langen Wanderungen durch die Situationen des nahenden Morgen, gingen wir zum Treffpunkt des Taxis, den ich vereinbart hatte, um den Zug nicht zu verpassen. Ich verwies darauf länger bleiben zu können und als das Taxi hielt, sagte ich, dass ich so tun könnte, als wäre es nicht meines. Der Taxifahrer rief uns fragend zu, ob wir das Taxi bestellt hätten. Ich sah Leon an und fragte ihn, ob wir ein Taxi bestellt hätten. Er sah mich lange an und lächelte verhalten. Dann nach gefühlten fünf Stunden dieses innigen Blickes, bejahte er und bracht mich zu dem Taxi. Ich bedankte mich und er umarmte mich ein letztes Mal für diesen Morgen. Es drängte sich mir der Gedanke auf, dass ich mit dieser Frage ein sehr große Dummheit begangen hatte, ihn das entscheiden zu lassen. Es wirkt schon, als wäre man unsicher. Andererseits war ich echt müde.

Ich kam mir wahnsinnig dumm vor, da Anna sich fragte, warum ich nun doch zum Bahnhof kam. Sie schrieb mir, dass sie auch allein fahren könnte, wenn sich die Situation für mich ergab. Sie sagte, dass sie das Gefühl hatte, dass sich Leon sehr für mich interessieren würde. Ich dachte das auch, aber irgendwie, nun, neutralisierte sich diese Nähe und mein Gefühl der Unzulänglichkeit wuchs. Ich schüttelte dieses Gefühl ab als ich bei Sonnenaufgang ins Bett ging.

Nächste Woche ist ein Grillabend unseres Studienganges und ich lud Leon inmitten diesen wirklichen langen Abends dazu ein. Unverbindlich natürlich. Es könnte sich um bei der vergangenen Nacht um die Episode einer Serie handeln. Aber mit Sicherheit ist das noch nicht zu bestättigen, da die Reaktion der Protagonisten auf den Piloten abzuwarten bleibt.

September 30, 2011 at 12:06 2 Kommentare

wet wet wet

Schon am Samstag letzter Woche wusste ich, dass ich ausgehen wollte, sobald alle privaten und ausbildungsbezogenen Angelegenheiten erledigt sein würden. Also machte ich feste Termine. An diesem Samstag wusste ich dies deshalb, da ich ungefähr acht Stunden Zeit dazu hatte. Wir fuhren zurück nach Berlin. Ja, das Praktikum ist vorbei.

Wir verabredeten uns für das White Trash. Ein Klub in Berlin Mitte. Vermutlich schon Touristen-überlaufen, dennoch einer der wenigen Klubs, die meinen Musikgeschmack annähernd bedienen. Zumindest in Zeiten des White Noise, so der Name der Veranstaltung, welche wir besuchten. So nun versammelten wir uns alle pünktlich unpünktlich zum Vortrunk. Einem Ritual unserer Jugend. Wie weit das heute noch in Generationen nach uns gepflegt wird, ist ungewiss und tut hier eigentlich auch nichts zur Sache.

Ich war mit Anna unterwegs, meiner Kommilitonin, die mit mir das Praktikum teilte. Ich bezeichne sie nunmehr als Freundin, da dies einer konkreteren Wahrheit entspricht.

Wir saßen in einer Bar und beschnupperten Männlein und Weiblein, welche mitgebracht wurden. Erst vorsichtig, dann ausgelassener. Mein Interesse galt allerdings dem Mädchen, da Sie mir sympathischer war. Sie ist die Cousine unseres Kommilitonen und Freund – ich nenne ihn jetzt mal Alex. Wir wuselten, die Zeit verging rasch und irgendwann packte die Aufbruchstimmung erst den einen, dann alle.

Keine zehn Minuten später waren wir am Ziel und quälten uns durch die Rauchschwaden der Nebelmaschine. Die Luft war eine sich niederwalzende Wand aus wärmenden Atem und kondensierender menschlicher Feuchte. Sie war geschwängert mit Pheromonen, Testosteron und einer gewissen elektrischen Spannung. Es fühlte sich an wie Fieber. Aber nicht das der Sorte, wenn man die Grippe hat. Sondern wie ein Fieber, dass dich in Bewegung setzt. Aufgrund dessen, musste ich schon zehn Minuten nach unserer Ankunft raus, um mal durch zu atmen. Mir wurde schwindlig und ich wollte eigentlich gehen, aber irgendwas hielt mich. Vielleicht die Gewissheit, dass ich der Antrieb für dieses Treffen war.

Ich überwand mein körperliches Unwohlsein und begab mich in die schwitzenden Hände der tanzenden, breiig wirkenden Masse, um mich herum. Es begann Spaß zu machen. Tanz so, als würde dir niemand zuschauen. Ein Klassiker unter den Songtextzitaten. Ich befolgte den Rat und überließ meinen Körper den Impulsen, welche die Takte auslösten.Dennoch versuchte man stets seine Mitmenschen nicht zu verletzen, was mir unglücklicherweise in einem Moment nicht gelang. So sprang ich mit einem großen Satz einem Mann hinter mir in die Hacken.

Klingt brutal. War es auch. Aber es war keine Absicht. Ich drehte mich sofort, um Abbitte zu leisten. Ich berührte leicht seinen Oberarm und rief ihm eine Entschuldigung in die Höhe, in der ich seine Ohren vermutete. Er reagierte nicht. Entweder merkte er es nicht – der Mann war ein Riese – oder er wollte sich nicht umdrehen. In beiden Fällen, konnte es mir egal sein, denn meine Aufmerksamkeit galt einen Augenblick später seinem Kumpel. Erst nur silhouettenhaft erkannte ich ein blaues kariertes Hemd, dann ein paar Augen, welche aus einem interessanten Gesicht zu mir blickten.

Ich registrierte es und scheu, wie ein dummes Reh, drehte ich mich gleich wieder weg. Mit der Zeit näherten sich unsere tanzenden Körper. Immer wieder versuchte ich mich nicht in meiner Schüchternheit einzugraben und erinnerte mich, dass schön ist, wem es gut geht. Ich befreite mich vom Gedanken, ich könnte unmöglich bis scheiße aussehen und ließ die Anspannungen abfallen. Immer wieder streiften sich unseren fast nassen Arme. Jedes Mal hielt ich den Atem an. Jedes Mal war es die Chance ihn anzulächeln und ab zu winken, falls er sich dafür entschuldigen wollte. Mir ging vieles durch den Kopf. Ich könnte ihn fragen, ob er Aereogramme kennt, eine Band meines Herzens.

Wie ich darauf komme? Nun ja, sein Kumpel erinnerte mich an den bärigen Gitarristen dieser Band, welcher wie ein Riese auf der Bühne wirkte, da er tatsächlich einer war. Nein nicht der aus Big Fish. Eher wie Hagrit. Das ist keine Beleidigung, da ich seine Erscheinung äußerst imposant fand.

Der junge Mann, welcher meine Aufmerksamkeit fesselte, erinnerte mich an den Sänger dieser Band, welche im Vergleich zum Riesen, zart und zerbrechlich, aber dennoch sehr maskulin wirkte.

Außerdem hatte er einen Vollbart. Ja genau, einen schwarzen prächtigen Vollbart. Keine Ahnung, ob man das derzeit so trägt, als Tribut an diverse Singer/Songwriter, welche diesen Stil salonfähig machten. Männer mit Bärten gehörten für mich in die Kategorie Vater, Onkel, Großvater.

Der jedoch nicht. Der gehörte in die Kategorie „Hi, ich würde dich gern kennen lernen wollen“. Ich lächelte ihn ein paar Mal an. Erst Schüchtern, dann offener bis ausgelassen. Doch nie traute ich mich ihn danach wieder anzusehen, aus Angst seine Blicke galten nicht mir. Oder noch schlimmer, er würde auf mich zukommen und mich ansprechen. Panik. Unkontrollierte, blanke Panik befiel mich bei diesem Gedanken. Also flüchtete mein Fokus immer wieder in entgegengesetzte Richtung.

Irgendwann lächelte er allerdings zurück und obwohl dieser Wust an Haaren ein Drittel seines Gesichtes verdeckte, strahlte sein Gesicht. Ich war paralysiert. Und dennoch konnte ich mich nicht durch ringen ihm ein lautloses „Hi“ zu zurufen.

Sein Kumpel zog ihn von der Tanzfläche. Widerwillig folgte er. Mich zog etwas hinter her. Ich wollte tatsächlich nach seiner Hand greifen. Aber dann vermutete ich, dass dies doch irgendwie sehr komisch sein würde. Im Tauziehen war ich noch nie besonders gut.

Ich wollte mit ihm tanzen. Ich wollte, dass er da bleibt, um mit mir zu tanzen.Mein Impuls kontrollierend, schreckte ich zurück und redete mir ein, die beiden gingen nur etwas gegen ihren Durst holen. Nach einer halben Stunde tauchten beide nicht wieder auf. Verdammt, verdammt, verdammt. Etwas geknickt wartete ich noch etwas. Dafür, dass ich recht früh gehen wollte, blieb ich doch sehr lang.

Wir lösten uns aus dem humanen Brei und bewegten uns eben so zähflüssig nach draußen. Irgendjemand legte deren/dessen Rucksack auf den Boden, sodass ich im Gehen augenblicklich ausweichen musste. Augenblicklich, da ich normalerweise nicht annehme, dass ein Hindernis auf dem Boden liegt, welches ich überklettern muss. Dummerweise war es vor und hinter dem Rucksack sehr nass. Nein, nicht feucht. Ich rede hier von Pfützen, welcher Art auch immer.

Meine Beine bewegten sich wie zwei Magneten, mit gleich gepolten Seiten zueinander, voneinander weg. Mein Körper sank, mein Kopf mit. Mit ungeschickten Bewegungen versuchte ich wieder Halt unter meinen Füßen zu bekommen und irgend eine Art Reibung zu erzeugen, indem ich durch Tippeln versuchte gegen das Magnetfeld zwischen meinen Beinen knie-abwärts anzukämpfen.

Ich rutschte wieder. Und der Umstand, dass mir alle zusahen, mir aber keiner eine helfende Hand reichte, erzürnte mein Gemüt und meine Stimmung schlug um in Verachtung. Durch leichte Ruderbewegung in Richtung Voyeure fand ich punktuell Halt und negierte das Magnetfeld, um brasig meinen Freunden zu folgen.

Vielleicht war ich auch etwas wütend auf mich, eine Gelegenheit, die sich relativ eindeutig abzeichnete, verstreichen zu lassen. Einfach nur, weil ich so unangenehm verkopft bin und lieber kein Risiko eingehe, bevor die Realität meinem Scheinbild die Kniescheiben zertritt. Alles in allem werde ich aber in demnächst wieder dort sein und auf seine Anwesenheit hoffen. Vielleicht sage ich dann mal „Hi“ und frage ich ihn dann einfach, wie lange man braucht, um sich einen solch stattlichen Bart zu zulegen.

August 11, 2011 at 15:27 1 Kommentar

Zerflirtet: Der Märchenbrunnen

Man bringt seinen Spruch, fängt sich seinen Korb und geht nach Hause. Ganz kurz und schmerzlos und auch gut. Was aber, wenn man noch länger barfuß auf den gesalzenen Scherben einer unerwiderten Liebesbesessenheit herumspaziert? Zerflirtet dokumentiert eben jene Kunst des Hinauszögerns von Pein.

Für folgende Episode dienten mir Geplänkel wie das mit dem Kinomädchen lediglich als Übung. Ähnlich wie die Atomwaffentests im Bikini-Atoll waren meine bisherigen Scharmützel Trainingseinheiten für den Ernstfall. Jener Ernstfall war ein junges türkisches Mädchen, dass ich während einer Veranstaltung von Absolventen meiner damaligen Berufsschule erblickte. Ich glaube mich zu erinnern, dass ich erst auf sie aufmerksam wurde, nachdem ihr Sirenengesang aufgrund eines banalen Smalltalks durch mein Gehör heulte. Mein Gehirn musste wohl offenbar erst visuelle und akustische Reize miteinander verrechnen, um zu der Schlussfolgerung zu gelangen, dass ich es mit einem mehr als adäquaten Subjekt der Begierde zu tun hatte. Der von da an gedeiende Augenkontakt verlor sich allerdings in meiner Feigheit, direkt auf sie zuzugehen. Und so endete der Tag und die empfundene Enttäuschung war eine gerechte Strafe für mein unentschuldbares Nichtstun.

Im Nachhinein wäre ich dankbar gewesen, wenn es dabei geblieben wäre, doch leider/glücklicherweise erblickte ich sie einige Tage später auf dem Gelände meiner Berufsschule. Das erklärte ihre Präsenz auf jener Veranstaltung, auf der ich sie sah. Sie schien neu an der Schule zu sein, denn ich hatte sie dort nie zuvor gesehen. Am liebsten wäre ich aus purer Freude, sie überhaupt wiedersehen zu dürfen, direkt auf sie zugegangen. Aber da mir eine Menge von dem fehlte, was man im Volksmund »Eier« nennt, beschränkten wir uns die kommenden Tage aufs Lächeln und Anschauen. Das allein ist schon sehr schön gewesen, aber wie das nunmal so ist, kann man es nicht dabei belassen und muss einen Schritt weiter gehen. Und so kam es, dass ich sie eines sonnigen Tages in einem Park an einem sagenunumwobenen Brunnen ansprach und wir uns vornahmen, uns zu treffen.

Dieses Treffen war scheiße. Denn was ich schon oft genug gehört hatte, aber in diesem Fall nun wirklich nicht zu hören erwartet hatte, war, dass sie doch tatsächlich einen Freund hatte. Einen schmierigen Kerl aus dem Kosovo, den sie a) in einem Chat kennengelernt und b) noch nie im Leben gesehen hatte. Ha. Was ist nun schlimmer: Belogen zu werden, weil man offenbar nicht gut genug ist (was ich ihr ob meines Zivilooks mit erschütternder Frisur und blamabler Garderobe nicht wirklich verübeln konnte) oder gegen einen Gegner abzustinken, der unterlegener nicht sein könnte? Was auch immer davon zutraf, ich beschloss, es weiter bei Ihr zu versuchen und meinen bereits toten Stolz auszuweiden. Meist sezierte ich den Torso meiner übriggebliebenen Würde mittels kleiner Spaziergänge, die ich mit meiner Angebetenen während der Mittagspausen unternahm. In den Gesprächen mit ihr war ich natürlich stets der Hoffnung, von einer Trennung von ihrem Traumprinzen aus dem Balkanparadies zu erfahren. Doch die Cyberlove sollte länger währen als mein Trachten danach, sie auszulöschen oder im schlimmsten Falle zu überdauern. Schließlich sah ich sie mit anderen Typen turteln, wo ich mich − gleich nach der unangefochtenenen Nummer Eins aus dem Südosten Europas − doch immerhin auf einem soliden zweiten Platz auf ihrer Liste wähnte. Also begann ich im Laufe der Monate, eine gesunde Abneigung gegen mein Herzblatt zu entwickeln, was dazu führte, dass die Bekanntschaft zwischen uns immer mehr abkühlte. Es sollte schließlich ein gutes Jahr vergehen, bis ich mit dem Ende meiner dortigen Ausbildung endlich die Möglichkeit bekam, sie nicht mehr wiederzusehen …

[MIRAGE FIVE]

Juli 30, 2011 at 17:53 3 Kommentare

cirque du trash

Mit einem frisch verliebten Pärchen zu verreisen, kann ich nur empfehlen. Und zwar, wenn man beim verreisen gern allein ist und gelegentlich Kontakt zu bekannten Gesichtern aufnehmen will, um sich nicht ganz so allein und verlassen zu fühlen.

Ich fuhr an einem Freitag mit meinem Mitbewohner Richtung Prag. So gegen drei Uhr waren wir dort. Die Fahrt war angenehm. Wahrscheinlich aufgrund der Tatsache, dass mein Mitbewohner so tiefenentspannt wie lang nicht mehr war, da er die Dame seines Herzens traf. Eine gute Freundin von mir. Wir schliefen im Zug und stiegen etwas gerädert, aber dennoch wach aus dem Abteil. Und dann begann die Suche. Wo konnte sie nur stecken. Seine Augen erfassten jeden umher irrenden Körper und scannten diese auf Identität. Und da stand sie. Ich drehte mich um, aus diskreten Gründen. So eine Intimität zerstört man ungern, hat man etwas situatives Verständnis.

Wir suchten unser Hostel auf. Es war angenehm dort. Wir konnten vorher ein Dreibettzimmer ergattern und ließen unsere Sachen fallen. Meine Sensoren sagten mir, dass ich erst einmal einen Schwenk durch die Gegend machen sollte. Also schnappte ich mir das nötigste und stiefelte los. Nach meiner kleinen Erkundungstour setzte ich mich in den Salon und zelebrierte coffee and cigarettes. Man holte mich ab und wir fingen an Prag zu erkunden. An einer Burg wurde ich darauf angesprochen, ob ich Interesse daran hätte, Prags gruselige Seite kennen zu lernen. Ich pfiff meine Begleiter zurück und diese willigten ein. Sehr zu meiner Freude. Der Abend lief aus. Mir ging es hervorragend. Am nächsten Tag verpassten wir das Frühstück, welches wir unterwegs nachholten. Bis zu unserer Dark-Side-of-Prague-Tour schlenderten wir durch die Innenstadt und an der Moldau entlang.

Der junge Mann, welcher uns durch die Katakomben, welche einst Gefängnisse waren, führte, war äußerst angenehm. Er sah nicht nur gut aus, sondern ließ es sich nicht nehmen, eine düstere, nicht zu theatralische, Stimmung mit seinem Entertainment zu erzeugen. Ich hing an seinen Lippen. Nach der Tour erwähnten meine Begleiter – ich nenne sie jetzt mal Anna und Jan – ob ich noch eine Führung machen möchte, da ich offensichtlich gern noch länger den Worten unseres Tourmanagers gelauscht hätte. Ich winkte ab. Sichtlich irritiert über deren Wissen.

Bis dahin lief noch alles relativ reibungslos. Am Sonntag frühstückten wir, legten uns danach aber wieder hin, weil das Wetter alles andere als einladend war. Gegen Abend machten wir uns auf den Weg, um uns etwas Nahrung zu verschaffen. Jan war etwas mürrisch. Und so oft er uns zur Selbstbeherrschung ermahnte, konnte er sich, wenn es sich um seinen Hunger handelte, selbst schwer kontrollieren. Nachdem alle genährt und mehr oder weniger zufrieden waren, schlenderten wir durch die Gegend und fanden ein kleines unscheinbares Cafe in einem Hinterhof. Den Besuch in diesem äußerst entzückenden Etablissement hatten wir Annas Detailverliebtheit zu verdanken. Später entsprachen beide meinem Wunsch eine Comicbar zu besuchen, deren Flyer ich im Foyer fand, während meinem Zweisamkeit unterstützenden Aufenthalten dort. Als wir dort waren, sank Jans Laune auf den Nullpunkt. Ich vermutete es gefiel ihm dort nicht. Doch es war ein ganz anderer Grund. Einer in der jungen Geschichte dieses turtelnden Pärchens. Welcher ist vollkommen belanglos. Doch das sich Jan dann einfach von unserem Grüppchen trennte war nicht belanglos.

Anna erklärte mir, dass ihm irgendetwas nicht passte. Ich war etwas durcheinander, nahm es aber als gegeben hin. Wir ließen uns Zeit beim Ausklang des Abends in der Bar. Dann machten wir uns auf den Weg und fanden Jan auf einer Bank sitzend vor dem Hostel. Kein Wort der beiden ineinander Vernarrten. Nur zu mir. Ich sah mich genötigt Einzelgespräche in Paralleluniversen zu führen. Es wurde sich zur Ruhe gebettet und ich sah allein Braveheart auf tschechisch. Was für ein Genuss.

Am nächsten Tag wachte ich allein auf. Allein insofern, dass ich verlassen von Jan und Anna im Zimmer lag. Just in dem Moment, als ich das Zimmer verlassen wollte, kam mir eine Einheit Mensch entgegen. Selig lächelnd wabberten sie durch die Tür. Ich verließ diese Restrealität.

Nun sitze ich hier und fasse dieses Mosaik der Gefühle zusammen, froh darüber, dass ich Zeit hatte, Prag allein genießen. Mit bekannten Gesichtern hinter mir, damit ich mich nicht ganz so allein und verlassen fühle.


Juli 4, 2011 at 9:12 2 Kommentare

fuckshit me

Donnerstag Abend letzter Woche erfuhr ich, dass ein Bekannter von mir mit seinem Architektensemester auf der Durchreise in Zlin ist. Ich freute mich, dass ich ein bekanntes Gesicht sehen würde. Da ich doch nicht, wie geplant Anfang Juni nach Berlin fuhr.

Meine Mitbewohnerin und ich machten früher Feierabend und schlenderten durch Zlin, auf einen Anruf wartend. Als das Telefon klingelte, vereinbarte man einen Treffpunkt, den die Architektenmeute ansteuern würde. Wir machten uns auf den Weg und nach einigen Fehlanläufen fanden wir endlich die Bata-Villa. Thomas Bata war quasi der Gründer von Zlin. Anfang der zwanziger Jahre baute er es als ein Industriekonstrukt. Er stellte Schuhe her.

Wir warteten und beschlossen dann, etwas gelangweilt, uns Kaffee zu besorgen. Nachdem wir zurück waren, warteten wir noch ungefähr ein Stunde, in der ich mich an Hasen heranschlich, die etwa hundert Meter vor uns am Waldrand. Aus der Nähe waren die aber auch nicht interessante. Also legte ich mich auf die Wiese vor der Villa und zählte imaginäre Wolken, die wie Tiere aussahen. Imaginär, da der Himmel mit seinem grauen Gesicht bitterböse Tränen auf uns hinab heulte.

Dann endlich kam der Reisebus an. Mein Bekannter war natürlich der letzte, der ausstieg und so hatte ich Zeit, mir die Studierenden etwas näher anzusehen. Es waren viele. Die meisten Mädchen sahen gestresst und desinteressiert aus. Aber irgendwie waren es mehr männliche Studenten. Ich begrüßte meinen Bekannten und sah, dass noch jemand da war, den ich aus der Berufsschule kannte. Ich freute mich wie blöd. Alle rannten in die Villa und wir hinterher. Wir bemerkten, dass alle auf Stühlen platz nahmen. Wir schlichen uns mit in den Raum. Es war sehr still. Außer meine Bekannten. Die machten Bemerkungen über Bata, als sie ein Prospekt in die Hände bekamen. Das Prospekt bekamen sie von einem unscheinbaren jungen Mann, der meine Mitbewohnerin und mich anstarrte, als müsse er in seinem Gedächtnis erst einmal kramen, um die Erinnerung an uns als Studentinnen des Semesters herzustellen.

Der junge Mann übersetze die Informationen der Führerin des Etablissements. Dann durften alle herum rennen und sich alles ansehen. Wir sahen uns die innen architektonischen, originalen Rekonstruktionen an. Es schien keinen zu stören, dass wir nicht dazu gehörten, was meine Scham etwas zurück weichen ließ. Als wir einen Raum betraten und meine Mitbewohnerin und ich übliche Wortspiele machten, betrat der junge Mann und ein Student die Räumlichkeiten. Als ich hinaus ging, redete er und schaute mir dabei direkt in die Augen. Ich lächelte. Aber eher, weil ich mich ertappt fühlte.

Die Besichtigung war ziemlich kurz und wir begleiteten meine Bekannte noch zum Bus. Weit vor uns lief der junge Mann und schaute sich ab und zu um. Dabei lächelte er immer etwas, als er unsere Gruppe dabei erspähte. Als wir am Bus standen und wir uns noch etwas unterhielten, stand er plötzlich da und fragte, ob sie jetzt noch zwei Plätze mehr für die Reise bräuchten. Wir lachten und verneinten. Dann sagte ich, dass ich vielleicht doch mitkommen würde. Er fragte, was hier machen und wir erklärten ihm, dass wir uns in einem Auslandspraktikum befinden. Totenstille. Die Sekunden zogen sich wie klirrend kalte Wintermonate über unsere Häupter. Die Stille wurde immer lauter, sodass ich anfügte, dass wir Holztechnik im vierten Semester studieren. Er schaute überrascht und sagte kurz und knapp : Eberswalde. Wir nickten. Irritiert über den Captain Subtext, der in seiner Aussage mitschwang und sich uns nicht recht erklärte. Er fragte uns, ob wir einen Typen namens, ich nenn ihn jetzt mal Bodo, kennen. Wir nickten wieder. Diesmal etwas verängstigt. Ich bin mir nicht sicher, ob er das ernst meinte, aber er erzählte, dass die beiden zusammen mal ein Projekt in Mexiko machten und dabei viel Spaß hatten.Das mit dem Enrst ist auf den Spaß bezogen. Er erwähnte noch zwei weitere Personen, die er aus Eberswalde kannte und wir wünschten uns, dass er nicht denkt, dass da alle so sind. Da ich gute Laune hatte, lächelte ich ernsthaft und meinte : „Oh man, die kennt er auch noch“

Dann sagte ich etwas, was ich besser nicht gesagt hätte. Mir platzten die Worte „Facebook mich und erzähl mir Geschichten“ über die Lippen. Und als ob das nicht genug war, hab ich lachend hinterher geworfen : „Facebook mich, das wollt ich schon immer mal sagen.“. Als ich mir bewußt wurde, was da aus mir sprang, verschwand ich in einem Vakuum. Dort war es schön dunkel, warm und ruhig. Als ich wieder ins Tageslicht fuhr, sagte er es wäre keine große Geschichte. Er verabschiedete sich. Aber er lächelte unentwegt und starrte mich während der Unterhaltung an. Einmal musste ich meinen Blick von ihm lösen, da ich das Gefühl hatte, sein Blick bohrt sich dirket in meine Gedanken. Ich bin mir nicht sicher, warum man Leute so ansieht. Vielleicht um sich ihre komplette Aufmerksamkeit zu sichern.

Wir verabschiedeten uns brav und machten und auf den Weg zu unserem Bus, um nach Haus zu fahren. Als der Reisebus an uns vorbei fuhr, schaute ich noch einmal, um meine Bekannten eine Verabschiedung zu zuwinken. Doch zu sehen war nur der junge Mann, der uns freudestrahlend zu winkte, wie ein kleiner Junge, der sich vom Weihnachtsmann verabschiedet. Ich fand das so hinreißend, dass ich lächelte und zurück winkte.

Ich fragte meine Mitbewohnerin, ob das jetzt Flirten war. Sie sagte, dass war soviel Flirten, wie es ein fünfminütiges Gespräch eben zuließ. Ich freute mich über die Begegnung mit ihm. Mal sehen, ob er mich auf Facebook sucht. Moment mal. Er kennt meinen Namen gar nicht. den könnte er von meinen Bekannten bekommen. Da fällt mir ein, ich bin unter meinem Namen dort auch gar nicht zu finden. Na mal sehen, ob er interessiert genug ist, um mich trotzdem zu finden. Es obliegt ihm. Denn ich kenne weder einen Namen, noch weiß ich, ob er da überhaupt verzeichnet ist. Also bitte nur konstruktive Kommentare. Vielleicht frag ich auch einfach die Freundin meines Bekannten. Mal sehen.

Mai 29, 2011 at 11:12 Hinterlasse einen Kommentar

Ältere Beiträge Neuere Beiträge


Archiv

Feeds